Kritik am Mittelalter

Petrarca, der neben Dante Alighieri und Giovanni Boccaccio zu den bedeutendsten Gestalten des Frühhumanismus zählt, hat neben seinen Betrachtungen zum Ich ein umfangreiches Werk hinterlassen. Es umfasst leidenschaftliche Gedichte an seine imaginäre Geliebte Laura, Abhandlungen über die "humanitas" - über die Bedingungen eines wahrhaft menschlichen Lebens auf den Grundlagen antiker Bildung und philosophischer Schriften -, in denen er sich gegen die scholastische Tradition der Philosophie wandte, die sich auf logische Schlüsse und dialektische Spitzfindigkeiten bezog und damit das Denken des Mittelalters geprägt hatte.

Petrarcas Kritik ist erstaunlich aktuell; sie könnte gegen den zeitgenössischen wissenschaftlichen Betrieb gerichtet sein, der im Spezialistentum das höchste Ausbildungsziel sieht: "Da wissen die Gelehrten viele Dinge über Tiere, Vögel und Fische. Wie viele Haare der Löwe im Scheitel trägt und wie viel Federn der Falke im Schwanze. Sie wissen, wie die Elefanten sich begatten und dass sie zwei Jahre im Mutterschoße bleiben. Was aber nützt es, die Natur der Tiere, der Vögel und Schlangen zu kennen und die Natur des Menschen und seinen Zweck, seine Herkunft und sein Endziel nicht zu kennen".

Ein anderer bedeutender Gelehrter der Renaissance ist Marsilio Ficino - der Florentiner Arzt und Humanist, der sich der spekulativen Philosophie zuwandte und ein eigenwilliges System von Platonismus, Neoplatonismus und Christentum konstruierte. Der 1433 geborene Marsilio Ficino studierte Griechisch, was ihn befähigte, die Originalquellen der platonischen Philosophie ins Lateinische zu übersetzen.

Ficino beschäftigte sich nicht nur mit Platon, sondern las auch Plotin oder Schriften, die dem Zoroaster, Orpheus oder Pythagoras zugeschrieben wurden. Als Arzt und Philosoph gab er in dem Werk "Drei Bücher über das Leben" Ratschläge, wie sich lange und gut leben lasse.

Platon als Vorbild

Schon seit frühester Jugend verkehrte Ficino am Hofe des Fürsten Cosimo de’ Medici, von dem er 1462 eine Villa in der Nähe von Florenz erhielt. Es ist dies gleichsam das Gründungsdatum der "Platonischen Akademie". Hier traf sich ein Kreis von Philosophen und Künstlern, um zu diskutieren. Allmählich entwickelte sich die "Platonische Akademie" zum Zentrum des humanistischen Denkens. Sie versammelte einige der besten Gelehrten und Künstler der Zeit wie den Architekten Leon Battista Alberti, den Humanisten Angelo Poliziano oder den Rhetorikprofessor Cristoforo Landino.