Nur Baumschulen und Baumgärten werden gezielt bewässert. - © Veser
Nur Baumschulen und Baumgärten werden gezielt bewässert. - © Veser

In der bleiernen Nachmittagshitze wirkt die Savannenlandschaft wie erstarrt. Windstöße wirbeln ab und zu Sand auf, sie bringen keine Erleichterung, sondern verstärken das beklemmende Gefühl, in einem Backofen der Natur gefangen zu sein. Während der ersten Monate des Jahres herrschen auf der Ebene um Ouagadougou Temperaturen von bis zu 50 Grad, die den Boden schnell aufheizen. Kommt er mit kälteren Luftschichten in Berührung, bilden sich Silmandé genannte kleine Wirbelstürme, die blitzschnell über den Boden fegen und der ganzen Szenerie geisterhafte Züge verleihen.

"Burkina Faso hat eine gemeinsame Grenze mit der Hölle", lautet eine alte Redewendung im "Land der Integren", wie die ehemalige französische Kolonie Obervolta seit 1984 heißt. Wohl nicht ganz zu Unrecht.

Karge Böden, Übernutzung, Bevölkerungswachstum und die Folgen des Klimawandels machen den Menschen nicht nur im Zentrum um die Hauptstadt Ouagadougou, sondern auch besonders in den weiter nördlich gelegenen Provinzen das Leben schwer. Sie benötigen größere Ackerflächen sowie mehr Brennholz zum Kochen und für die Ernährung der Familien. Jahr für Jahr verliert Burkina Faso nach Angaben des nationalen Umweltministeriums dadurch über 110.000 Hektar Waldfläche. Das entspricht mehr als vier Prozent des gesamten Baumbestandes.

Verein "newTree"

Wiederaufforstungsprojekte waren bisher selten von Erfolg gekrönt - das lässt sich in ganz Afrika belegen. Seit 2006 praktiziert der Schweizer Verein "newTree" in Burkina Faso einen ganz anderen Ansatz, mit dem der Naturwaldbestand vergrößert werden soll - die "natürliche Wiederbewaldung", bisweilen auch "regenerative Wiederaufforstung" genannt. Nicht der Mensch übernimmt dabei die tragende Rolle, sondern Mutter Natur.



Die Grundidee ist einfach: Eine Bauernfamilie oder Frauengruppe erklärt sich bereit, die für sie neuen Methoden in der Landwirtschaft auszuprobieren. So wird beispielsweise ein etwa drei Hektar großes Feld mit einem Metallzaun eingefriedet, darin wird auf maximal einem Viertel biologische Agro-Forstwirtschaft praktiziert - ein Nebeneinander von Bäumen und Nutzpflanzen an Stelle von chemischem Dünger.

Das während der Regenzeit sprießende Gras wird als Heu geerntet und gelagert, anstatt Tiere darin weiden zu lassen. Auf diese Weise vor Tieren, menschlichen Zugriffen und Buschfeuer geschützt, regeneriert sich das Ökosystem; Bäume und Büsche gedeihen und Felder werden wieder fruchtbar. Nur so kann ein neuer Wald entstehen, denn außerhalb der eingefriedeten Gebiete holen sich die zahlreichen Ziegenherden das, was sie zum Überleben benötigen. Die Resultate, nach Angaben von "newTree" vollständig durch Spendengelder von Privaten und Beiträgen institutioneller Geber finanziert, haben die Einheimischen schließlich überzeugt. Demnach übersteigen heute die Anfragen der Bauernfamilien, die eine Zusammenarbeit wünschen, das "newTree"-Angebot um ein Vielfaches.