Im Tonfall bleibt Bernhard Pörksen dabei beherrscht - stets dem programmatischen Untertitel seines Buches, "Wege aus der kollektiven Erregung", treu. Inhaltlich lässt Pörksen aber wenig Zweifel daran, dass die von ihm dargestellten Probleme in ihrer Summe und vor allem ihrer Dynamik so schwerwiegend sind, dass ein erfolgreiches Gegensteuern - ohne flankierende massive Einschränkung von Freiheiten - nur durch das aktive Mitwirken aller Akteure der Gesellschaft erreichbar wäre.

Zusammengefasst lautet eine seiner dramatischen Kernaussagen, dass eine in unserer Gesellschaft bei weitem nicht ausreichend vorhandene Kompetenz "zur Existenzfrage der Demokratie geworden" ist: die "Medienmündigkeit" aller Bürger.

Als "Medienmündigkeit" beschreibt Pörksen ein Bildungsideal, das bereits bekannt ist. Es ist die Kenntnis jener Prinzipien, denen jeder verantwortungsvolle Journalismus verpflichtet ist: Wahrheitsorientierung, Skepsis, Relevanz und Proportionalität, Kritik und Kontrolle, ethisch-moralische Abwägung und Transparenz. Vermittelt soll das entsprechende Wissen durch ein interdisziplinäres Schulfach werden, mit Inhalten aus philosophischer Ethik, Sozialpsychologie, Medienwissenschaft und Informatik.

Pörksen fordert zudem eine "Ausweitung der publizistischen Verantwortungszone". Und entwirft die konkrete Utopie einer "redaktionellen Gesellschaft", einer "fünften Gewalt". In einem kürzlich erschienenen Artikel in der "ZEIT" ist die Summe seiner Vorschläge in den vier Worten des Titels anschaulich zugespitzt: "Alle müssen Journalisten sein."

Auch Gegenargumente

Das ist, egal, von welcher Seite man es betrachtet, eine radikale und sehr weitreichende Forderung. Und dessen ist sich auch Pörksen bewusst, der sich aber nicht als energischer Anführer einer diesbezüglichen Revolution, sondern als Moderator einer entsprechenden Veränderung präsentiert. Sein Essay über "Die große Gereiztheit" ist selbst ein gelungenes Beispiel dafür, Form und Inhalt eines Textes in Einklang zu bringen. Pörksen fordert faire, überzeugende Argumente und die Begegnung auf Augenhöhe mit dem Leser nicht nur von anderen ein. Er gibt auch selbst, in jedem Stadium der Entwicklung seiner Thesen, vernünftigen Gegenargumenten Raum und Zeit - getreu der journalistischen Leitlinie Audiatur et altera pars, "man höre auch die andere Seite".

Es mangelt auch nicht an fachlicher Übersicht und an philosophischer Tiefe. Vom heute prophetisch wirkenden Aphorismus des Medientheoretikers Marshall McLuhan aus dem Jahr 1964 - wir seien "von den Nerven der gesamten Menschheit umgeben. Sie sind nach außen gewandert und bilden eine elektrische Umwelt" - bis zu den zeitlosen, an die Grenze des Wissens führenden Einsichten des Konstruktivisten Paul Watzlawick - der beschrieb, warum "Lösungen zum Problem werden" können - spannt Pörksen einen beeindruckenden Bogen.