Die begabte Schriftstellerin und Philosophin Helene von Druskowitz, Jahrgang 1856, hatte sich in den 27 Jahren ihrer "psychiatrischen Verwahrung" das Denken und Schreiben nicht verbieten lassen. Kompromisslos begann sie um die Wende zum 20. Jahrhundert die gelehrte Männerwelt zu kritisieren. Friedrich Nietzsche (1844-1900) gehörte zu den Betroffenen.

Sie verfasste radikale Texte und stieß damit auch ihre Gönnerinnen und Förderer vor den Kopf. Helenes Theaterstücke enthielten Scherze über "eitle unfähige Universitätsprofessoren und schwatzhafte Männer" und hatten daher keine Chance, von Theaterdirektoren angenommen zu werden. Ein Leben lang fühlte sich die Intellektuelle eher zu Frauen hingezogen, trank jede Menge Alkohol, rauchte Zigarren und Pfeife. Druskowitz konnte sich zwar in der Geschichte der Literaturwissenschaft oder Philosophie keinen Namen machen, hinterließ aber literarische Spuren. Und die sind durchaus ernst zu nehmen.

Im Jahr 1891, Helene war erst 35 Jahre alt, wies man sie in die "Kaiser-Franz-Joseph-Heil-und-Pflegeanstalt" von Mauer Oehling bei Wien ein. Dort verfasste sie trotz "halluzinatorischer Anfälle" weiterhin Artikel. 1905 konnte sie sogar ihre Kampfschrift "Pessimistische Kardinalsätze. Ein Vademecum für die freiesten Geister" veröffentlichen - ein satirisches Werk, voller Ironie und Radikalität: "Der Mann als logische und sittliche Unmöglichkeit und als Fluch der Welt".

Dabei beginnt die Lebensgeschichte der Helene von Druskowitz recht "brav und rechtschaffen", wie ihr die deutsche Dichterin Louise von François (1817- 1893) bescheinigte. Sie lernte das "geistig frische, kräftige, ehrenhafte Fräulein Druskowitz" 1881 im bayrischen Bad Reichenhall im Rahmen eines literarischen Zirkels kennen.

Helene von Druskowitz wurde am 2. Mai 1856 in Hietzing bei Wien geboren. Sie war das jüngste von drei Kindern. Helenes Vater, ein wohlhabender Geschäftsmann mit Gutsbesitz, starb früh. Dennoch ermöglichte Helenes Mutter nicht nur ihren beiden Söhnen, sondern auch ihrer begabten Tochter eine gute Ausbildung. Helene entschied sich zunächst für die Musik und absolvierte am Wiener Konservatorium 1873 das Abschlussexamen im Klavierfach. Doch die 17-Jährige wollte sich weiterbilden.

Damals standen weder die Gymnasien noch die Universitäten in der österreichisch-ungarischen Monarchie den Frauen offen. Daher erhielt Helene Privatunterricht und konnte 1874 erfolgreich die Matura (extern) am Wiener Piaristen-Gymnasium ablegen. Noch im selben Jahr übersiedelte sie mit ihrer Mutter nach Zürich. Von 1874 bis 1878 studierte Helene Philosophie, Archäologie, Orientalistik, Germanistik und moderne Sprachen. Nach der Russin Stefania Wolicka war die 22-jährige Österreicherin die zweite Frau, die in Zürich zum Doktor der Philosophie mit einer Abhandlung über Byrons "Don Juan" promovierte.