Als die Raketen immer größer geraten, verlegt man die Heeresversuchsanstalt nach Peenemünde auf der Insel Usedom. Von Braun und seine Mannschaft entwickeln dort die A4: Sie ist vierzehn Meter hoch. Unter ihren Steuerungsgeräten stecken die beiden langgezogenen Tanks mit vier Tonnen Alkohol-Wasser-Gemisch und fünf Tonnen flüssigem Sauerstoff. Turbopumpen jagen die beiden Flüssigkeiten in die Brennkammer. Im Gasstrahl des Triebwerks führen vier motorgesteuerte Graphitruder Steuerbefehle aus; bewegliche Luftruder am unteren Ende der seitlichen Stabilisierungsflossen assistieren ihnen dabei.

1942 ist die A4 einsatzbereit, Goebbels nennt sie "Vergeltungswaffe 2" - kurz: "V2". Nun beginnt die unterirdische Serienproduktion. Weit über 5000 Exemplare werden hergestellt. An der Spitze trägt jede einzelne Rakete 900 Kilo Sprengstoff. Die Waffe schießt wie ein Blitz auf die Städte herab: Eine Unterscheidung zwischen militärischen und zivilen Zielen ist mangels Treffsicherheit unmöglich. Es gibt keinen warnenden Alarm und keine Abwehrmöglichkeit. 9000 Menschen fallen V2-Treffern zum Opfer. Mehr als 12.000 Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge sterben bei der Herstellung dieser Waffe.

Schon am 3. Oktober des Jahres 1942 ist eine A4 gut 85 Kilometer hoch aufgestiegen. Am 20. Juni 1944 erreicht ein weiteres Exemplar kurzzeitig sogar 175 Kilometer Höhe. Zwar wird die einstufige Rakete gleich wieder herabstürzen. Dennoch stößt sie, wenn auch nur ein paar Augenblicke lang, das Tor zum Weltall auf.