Roboter sollten hilfreich und gut sein, sich ethisch verhalten, auf Sicherheit achten, die menschliche Privatsphäre respektieren, kontrollierbar bleiben und vor allem keine Leute umbringen. Da wartet noch viel Arbeit auf Experten, die Standards, Normen und Gesetze machen. Die Vielfalt der digitalen Geschöpfe ist schon jetzt enorm. In allen Größen zwischen nano und mega stapfen, kreuchen, schwimmen, fliegen und rollen Prototypen aus den Denkfabriken. Und noch öfter nehmen sie überhaupt keine Gestalt an, sondern existieren körperlos und geisterhaft als Analysegenies, Gesichtserkenner, Spontanübersetzer, Gesprächssimulanten oder Schachgroßmeister in der vagen Elektrizität dicht gepackter Halbleiter. Man könnte diesen Phänotyp mit dem schönen wienerischen Wort Blitzgneißer bedenken.

Tiefes Lernen

Das Innerste jedes Blitzgneißers besteht aus künstlichen Miniautomaten, die sich gegenseitig elektrisch erregen, dem sogenannten neuronalen Netz. Es ist ein sich selbst ständig umschreibendes Stück Software, das Myriaden von Daten schlürft, ähnlich wie ein Wal Plankton. Nach ausgeklügelten Versuchs- und Irrtumsprinzipien bildet das neuronale Netz Regeln zum richtigen Erkennen und Verhalten aus. Sie verfeinern sich je nach Datenlage in raffinierten Feedbackschleifen. Man nennt den Vorgang tiefes Lernen.

In der alten IT konnte man Ziele nur erreichen, wenn die Wege dorthin in stupender Genauigkeit vorbestimmt wurden. Es kam heraus, was im Code geschrieben stand. Oft genug war es Unsinn. Kofferberge türmten sich auf Flughäfen, Schiffe tümpelten auf hoher See und Raketen verglühten in Feuerwerken, wenn auch nur einmal irrtümlich durch Null dividiert wurde.

Im Zeitalter der neuronalen Netze verbessern sich die Maschinen ohne äußeres Zutun. Sie suchen abstrakte Muster in Bit-Klumpen, bestimmten Häufigkeiten und Wahrscheinlichkeiten, testen Beziehungen und Abhängigkeiten, sie absolvieren ein Selbststudium im Suchen und Finden.

Es ist eine schleichende Revolution. Automation heißt der neue Weltgeist, der sie hervorbringt. Alles, was sich als Routine auffassen lässt, braucht zur Erledigung keine Menschen mehr. Es sind nicht nur die gefährlichen, monotonen und scheußlichen Arbeiten, die dieser Fortschritt auf leisen Sohlen abzuschaffen verspricht.

Was vor ein paar Jahren noch ein sicherer Job war, wird heute von einem Algorithmus erledigt. Die Schalterdienste der Banken zum Beispiel wurden in die Computer der Kunden ausgelagert. Auch das Know-How der Versicherungsmakler, einst unentbehrlich für die Auswahl der passenden Polizze, ist durch die maschinelle Vergleichskraft einschlägiger Internet-Plattformen entbehrlich geworden. Selbst die Sphäre der Spezialisten und Experten erscheint nicht länger pragmatisiert. Wie viele Arbeitsplätze wird das kosten? Die Hälfte, besagen die pessimistischeren Reports.

Es könnten auch nur 12 Prozent sein, sagt die OECD. Statistiken über das Digitalisierungs- und Automatisierungspotential in verschiedenen Berufen begünstigen eine apokalyptische Lesart: In der Fertigung haben 80 Prozent der Workflows gute Chancen, von Automaten übernommen zu werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Roboter Sozialarbeit antun, ist freilich gering.

Es braucht Menschen

Das Risiko, durch Schaltkreise ersetzt zu werden, variiert je nach Wissensart, Hierarchiestufe und Branche. Verwaltungstätigkeiten stehen ganz oben auf den Listen, die zumeist auf Umfragen beruhen und deshalb auch Zeugnisse grassierender Ängste sind. Selbst akademische Berufe, die langjähriges Studium erfordern, stehen zur digitalen Disposition.