Die Übersetzungskünste von Diensten wie Google Translate sind sicher nicht frei von Lachnummern. Sie sind aber oft genug gut genug, um selbst entlegenen Texten Sinn zu entnehmen und Sorgenfalten auf Übersetzer-Stirnen zu zaubern. Denn gut strukturiertes, taxonomisches Wissen kommt der Computerintelligenz sehr entgegen. Da denkt man etwa an die Juristerei und das Blättern und Schmökern in Gesetzestexten, das mit zunehmendem Erfolg von Maschinen übernommen wird. Und das Juristendeutsch, oft unverständlich für Laien, kommt mit seinem Hang zum Nominalismus, zum Taxativen und Formelhaften dem digitalten Verdauungsapparat sehr entgegen.

Es ist noch längst nicht gesagt, dass die einfachen Tätigkeiten vor der Abschaffung stehen. In der Logik des Kapitalismus sind teure Spezialisten lohnendere Rationalisierungsziele als billige Hilfsarbeiter. Und sowohl Roby als auch Stachanow würden der These widersprechen, dass mit einer Zunahme der Roboterpopulation menschliche Arbeitskraft überflüssig wird. Die Länder mit der höchsten Roboter-Dichte, etwa Deutschland und Schweden, haben herzeigbare Beschäftigungsstatistiken.

Die menschenleere Fabrik, von der man noch in den 1990er Jahren träumte, blieb ein Traum. Man versenkte Abermillionen von Pfunden, Dollars und D-Mark, um den Produktionsfaktor Mensch endlich loszuwerden. Doch ohne Menschen funktionierte es nicht, weil das, was wir wässrigen Hautsäcke im Zusammenspiel aufführen können, immer noch zu kompliziert für die stählernen Kollegen war. Außerdem ändern sich Konjunkturkurven, Marktlaunen, Kundenwünsche und Produk-
tionsverfahren so rasch, dass man die menschenleere Fabrik ständig umbauen müsste.

Es scheint eher so zu sein, dass ein neues Zeitalter der Intimität zwischen Mensch und Maschine anbricht. In der Straßenbahn, im Zug, in Lokalen, generell in öffentlichen Räumen werden mit großem Eifer Tätigkeiten verrichtet werden, die vor ein paar Jahren noch ebenso sinnlos wie entbehrlich erschienen wären.

Crowdwork-Ökonomie

Immerhin ist die exzessive Benutzung der Handys ein Indiz dafür, dass die Digitalisierung den Menschen braucht. Heteromation nennt man diese mitunter wunderlich intensive Beziehung zwischen Menschen und Algorithmen. Die Hingabe zum Digitalen hat Konzerne wie Facebook oder Google märchenhaft reich und mächtig werden lassen. Gleichzeitig ist dieser Erfolg an die unbezahlte Klick- und Schreibarbeit von Milliarden Menschen gebunden, die Texte, Bilder und Videos posten, rund um die Uhr Onlinespiele spielen oder gratis Rezensionen und Bewertungen für Firmen wie Amazon verfassen.

Von da sind es nur ein paar Mausklicks zur Gig-Economy, zum Crowdworking-Kapitalismus. Crowdworker erledigen mittlerweile fast alles, was auch Angestellte erledigen. Auch diese Ökonomie bringt Erfolgsgeschichten hervor, aber de facto bedeutet sie den Tod von Mindestlohn, bezahltem Urlaub, Elternkarenz, Krankenstand, Überstundenvergütung und Sozialversicherung. Der Plattform-Kapitalismus gebiert ein digitales Prekariat, das in anarchischen Arbeitsformen ohne soziale Sicherheit lebt. Der Durchschnittsverdienst auf Amazon Mechanical Turk, der weltweit größten Crowdworking-Plattform, beträgt zwei Dollar pro Stunde.