Natürlich ist auch das Werkzeug nicht mehr das, was es einmal war. Die Bohrmaschine hat eine Netzwerk-Adresse und ist Mitglied im Club des "Internet of Things". Sie lässt sich erst einschalten, wenn der Werker sie in eine fürs Schraubendrehen günstige Position gehievt hat. Und sie lässt ihre grüne Leuchtdiode zum Zeichen des Einverständnisses erst dann aufleuchten, wenn der Werker die richtige Schraube in qualitätsgesicherter Festigkeit am Objekt angebracht hat. Alles, was sich vernetzen lässt, wird in der Fabrik 4.0 vernetzt. Das heißt auch, dass alle Objekte und Vorgänge lückenlos überwacht werden. Auch der Werker.

Schon jetzt lässt sich selbst intellektuelle Arbeit genau überwachen. Stilistische Eigenheiten beim Reporten sind dann ebenso Thema des Mitarbeitergesprächs wie die Geschwindigkeit beim Verfassen von Dokumentationen. In der Fabrik der allernächsten Zukunft werden selbst intimste Körperregungen erfasst und vermerkt.

Kostbarer Kontakt

Auch Betriebsräte stehen in solchen Produktionsumgebungen vor neuen Aufgaben. Sie müssen sich nicht nur für würdige Arbeitsbedingungen, für Weiterbildung und Transparenz einsetzen. Sie müssen aus der gigantischen Datenflut, die in der cyber-physischen Produktion anfallen, die richtige Auswahl treffen, damit sie auf Augenhöhe verhandeln können. Und das, was bisher selbstverständlich war, als prekär ansehen: Betriebsräte aus hochautomatisierten Betrieben berichten, dass die gute, alte Kommunikation so wichtig ist wie noch nie. Denn in virtuellen Arbeitsumgebungen, wo die Werker zunehmend an Computerspieler erinnern, ist der menschliche Kontakt kostbar.

Der Werker trägt nicht mehr Schlosseranzug. Er ähnelt eher einem Astronauten, überhaupt, wenn sein Kopf unter einer Virtual-Reality-Brille steckt. Das Display blendet Dinge ein, die es in der Realität der Werkshalle gar nicht gibt. Es zeigt zum Beispiel die Lage von Kabeln, die der Werker anbringen muss. Er trägt überall am Körper Sensoren, die seine dreidimensionale Erscheinung im Raum anzeigen. Und natürlich auch sein Tempo, seine kinetischen Eigenheiten, seine Arbeitshaltung.

Für eine Gewerkschaft 4.0 gibt es viel zu verhandeln.

Franz Zauner ist Leiter der Online-Redaktion und stv. Chefredakteur der "Wiener Zeitung".