Österreichische Astronomen studierten auch den AGB-Stern R Sculptoris. Der Riese schleudert Materie ins All. Ein Begleitstern "rührt darin um" – und sorgt so für die hübsche Spiralstruktur. - © ESO
Österreichische Astronomen studierten auch den AGB-Stern R Sculptoris. Der Riese schleudert Materie ins All. Ein Begleitstern "rührt darin um" – und sorgt so für die hübsche Spiralstruktur. - © ESO

1919 wurde diese Organisation ersetzt - von der wesentlich breiter aufgestellten Internationalen Astronomischen Union mit Sitz in Paris. Zunächst machte die IAU Inventur am Sternenhimmel. Astronomen wie Maximilian Hell hatten in der Vergangenheit immer wieder neue Sternbilder zum Gefallen ihrer Fürsten einführen wollen. 1922 fixierte man die Anzahl und Namen der Sternbilder ganz verbindlich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der in der IAU vertretenen Länder auf 31. Heute hält man bei rund 10.000 Mitgliedern in einhundert Staaten. Die IAU ist die weltweit führende himmelskundliche Organisation. Alle drei Jahre lädt sie an wechselnden Orten zur Generalversammlung ein. Jetzt steht das letzte große Treffen vor dem 100. Geburtstag an. Deshalb feiert die IAU bereits ab kommender Woche in Wien anstatt erst im nächsten Jahr. Natürlich lässt sie dabei auch die eigene Geschichte Revue passieren und erinnert an den Sonnenforscher George Ellery Hale.

Astronomische Einheit

Zu den Aufgaben der IAU zählt die Regelung der astronomischen Nomenklatur. So wurde bei der Generalversammlung 2006 in Prag erstmals der Begriff "Planet" wissenschaftlich abgegrenzt (zumindest für unser Sonnensystem). Der 1930 in Arizona entdeckte kleine Pluto fiel nicht in diese Kategorie. Vor allem in den USA war die Aufregung danach groß. 2012 wurde die erwähnte Astronomische Einheit von der IAU mit 149,597870700 Millionen Kilometern fixiert. Auch die Dauer des astronomischen Tages, des Jahres und die Länge des Lichtjahres sind mittlerweile per Definition geregelt.

Die IAU ist ganz allein für die Benennung ferner Sonnen, deren Planeten sowie der kleineren Körper in unserem Sonnensystem zuständig. Den "Stern, der deinen Namen trägt" gibt es nur im Schlagertext. Am offiziellen Himmel findet man zum Glück keine gekauften Sternnamen. Wer seinen Familiennamen dort verewigen möchte, muss schon einen neuen Kometen aufstöbern. Bei Kleinplaneten darf der Entdecker ebenfalls einen Namen vorschlagen: aber nicht den eigenen. Auch Firmen- und Produktnamen sind grundsätzlich tabu.

Dank zahlreicher Raumsonden gilt es immer mehr Oberflächendetails auf fremden Welten zu taufen. Berge, Täler, Ebenen oder Spalten dürfen unter anderem an verstorbene Künstler, Autoren oder Wissenschafter erinnern. Persönlichkeiten von aktueller politischer, militärischer oder religiöser Bedeutung aber haben dort nichts verloren.

Großinstrumente, Himmelsdurchmusterungen, Weltraumteleskope: Sie alle haben in den letzten Jahren einen enormen Schatz an Daten geliefert. In Wien diskutiert man darüber. Auch österreichische Astronomen stellen ihre Arbeiten vor. Zu den vielen Konferenzthemen zählen die AGB-Sterne. Eine Gruppe um Franz Kerschbaum (Institut für Astronomie der Universität Wien) hat diese Spätphase der Sternentwicklung eingehend erforscht.

AGB-Sterne gestatten einen Blick in die Zukunft unserer Sonne. Diese Sterne mit 0,6 bis 10 Sonnenmassen dehnen sich schlussendlich zu Roten Riesen aus und entledigen sich ihrer Hüllen. So können die im Stern geschmiedeten Elemente später anderswo Verwendung finden. AGB-Sterne sind die wichtigsten Rohstofflieferanten beim Bau von Planeten. Ohne sie gäbe es keine Erde und keine IAU-Konferenz: Thomas Lebzelter wird erklären, wie sich die Messdaten des europäischen Astrometriesatelliten Gaia zur weiteren AGB-Forschung nutzen lassen.