Doppelte Sterne

Sterne werden in Molekülwolken geboren - und zwar nicht als Einzelkinder, sondern gemeinsam mit anderen Sonnen in Sternassoziationen oder gar in dicht gedrängten Sternhaufen. Josefa Elisabeth Großschedl von der Universität Wien informiert über die Sternentstehung in der relativ nahen Molekülwolke Orion-A. Junge Sterne zeigen starke Strahlungsausbrüche. Welche Auswirkungen hatte die wilde Phase unserer Sonne auf die damalige Erdatmosphäre? Das wird Manuel Scherf vom Institut für Weltraumforschung der Akademie der Wissenschaften in Graz beleuchten.

Professor Manuel Güdel (Universität Wien) blickt auf die Ereignisse zurück, die zwischen dem Kollaps "unserer" Molekülwolke und der Entstehung der ersten irdischen Lebensformen lagen. Manche verstehen wir noch nicht gut. Andere muten höchst unwahrscheinlich an. Unsere Existenz ist das Ergebnis einer Kette kosmischer Zufälle.

Seit 1995 kennt man auch Planeten im Orbit um andere Sonnen. Helmut Lammer, ebenfalls vom Grazer Institut für Weltraumforschung, befasst sich schon lange mit den Bedingungen auf solchen Exoplaneten. Diesmal rückt er aber die Entwicklung unseres eigenen Sonnensystems in den Mittelpunkt - mit besonderer Berücksichtigung der Erde und ihres Nachbarplaneten Venus.

Die österreichische Astrobiologin Ruth-Sophie Taubner wird sich dem Saturntrabanten Enceladus widmen. In seinen Geysiren hat man Methan nachgewiesen. Könnte es von Lebewesen herrühren, die vielleicht in einem versteckten, unterirdischen Ozean dieses Mondes hausen?

Etliche Exoplaneten ziehen um Doppelsterne. An ihrem Himmel leuchten also zwei Sonnen. Elke Pilat-Lohinger vom Institut für Astronomie der Uni Wien berechnet die Stabilität solcher Planetenbahnen: Was passiert, wenn es dort Großplaneten vom Format unseres Saturns oder unseres Jupiters gibt? Welchen Einfluss hätte das auf etwaige kleine Welten, die in einer wohltemperierten, lebensfreundlichen Zone kreisen?

Geerbter Himmel

Thomas Posch (Institut für Astronomie der Universität Wien) stellt das Gebiet der Terra-Astronomie vor. Sie will die langfristigen Schwankungen der Sonnenstrahlung, der Sonnenaktivität, des Erdmagnetfelds, der Erdrotation oder der kosmischen Strahlung ergründen - und zwar mit Hilfe historischer Beobachtungen.

Dazu sollen möglichst viele alte Aufzeichnungen über außergewöhnliche Himmelserscheinungen gefunden und analysiert werden. Gesucht werden etwa Hinweise auf Supernovae, Polarlichter, Kometen, Sternschnuppenschauer oder Berichte über astronomische Finsternisse. Als Quellen kommen etwa chinesische, koreanische und arabische Chroniken in Frage, aber auch die mündliche Überlieferung der australischen Aborigines. Der österreichische Astronomiehistoriker Hermann Hunger berichtet über Aufzeichnungen und Omina aus Mesopotamien.

Wie die Alten den Himmel sahen, lässt sich mit Hilfe von digitalisierten Horizontpanoramen und 3D-Modellen untersuchen. Georg Zotti (Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie) ist Experte auf diesem Gebiet. Davon konnten sich schon die Besucher der Stonehenge-Ausstellung im Urgeschichtemuseum MAMUZ überzeugen. Er hat das beliebte Programm Stellarium mitentwickelt und spricht nun über den Einsatz dieser quelloffenen Software in der "kulturellen Astronomie".

Auch der intakte Sternenhimmel selbst ist ein kulturelles Erbe: Wir haben es mit unserer ungehemmten Beleuchtungswut allerdings verspielt. Der Astronom Günther Wuchterl, Kuffner-Sternwarte, hat Ursachen und Folgen dieser Lichtverschmutzung eingehend studiert. Dem Nachthimmel die Sterne zu stehlen ist, so wird er betonen, als würde man einem Wasserfall das Wasser wegnehmen.