Karl Wlaschek hat bekanntlich das Unternehmen "Billa" aufgebaut. Er hat seine Gewinne zu einem Teil wieder im Unternehmen investiert. Er verkaufte im Jahr 1996 Billa an die REWE Gruppe für 1,1 Mrd. Euro. Mit den bereits davor entnommenen Gewinnen gab es ein Vermögen von rund 4 Mrd., das veranlagt werden musste. Immobilien wurden erworben. Wlaschek war nicht mehr Unternehmer im eigentlichen Sinn. Ein Umstieg von aktiver Unternehmenstätigkeit zur Verwaltung eines Vermögens, insbesondere in Immobilien, ist oft zu finden. Man will selbst nicht mehr, oder die Erben wollen nicht.

Dietrich Mateschitz, der reichste Österreicher, verfügt über ein Vermögen von rund 20 Mrd. Euro. In seinem Unternehmen gibt es keine Produktionsanlagen, da die Firma Rauch (Fruchtsäfte) die Produktion und die Logistik von Red Bull betreibt. Seine Gewinne sind der Erfolg der Marke, nicht der Organisierung eines Unternehmens.

Dass Finanzanlagen heute wichtiger sind als vor fünfzig Jahren, ist eine Folge des inzwischen stark gestiegenen realen Reichtums - mehr Produktionsstätten, Immobilien, Einkaufszentren. Sie alle haben Eigentümer, die nicht notwendigerweise mit den Entscheidungen in den betreffenden Unternehmen betraut sind. Sie sind Rentiers. Man kann darüber empört sein. Aber muss ein junger Mensch Unternehmer werden, nur weil die Mutter erfolgreich ein Unternehmen aufgebaut hat? Die Veranlagung bestehender Vermögen ist jedenfalls kein Thema für Schulmeister.

Alles nur Spekulation?

Es gibt außerdem nicht nur die großen Vermögen. Für fast alle gut verdienenden Menschen bieten staatliche Pensionen eine zu geringe Absicherung des Lebensstandards im Alter. Sie müssen für das Alter ansparen. Oft wird das vom Arbeitgeber organisiert. Diese Vermögen müssen angelegt werden. Dazu kommen die großen staatlichen Sparvermögen von Staaten mit großen Finanzüberschüssen, meist auf Grund von Ölexporten. Der norwegische Staatsfonds etwa verfügt über ein Vermögen von 800 Mrd. Euro. Dieser legt die laufenden Gewinne aus dem Erdöl weltweit an, um für die Zeit nach der Erschöpfung dieses Schatzes vorzusorgen. Es hilft realen Investitionen in anderen Teilen der Welt. Alles nur Spekulation?

Aber selbst wenn Unternehmen ihre Gewinne oder Teile davon statt in Realinvestition in kurzfristig spekulativen Anlagen einsetzen, so ist nicht klar, wieso dadurch die Investitionstätigkeit insgesamt verringert wird. Schulmeister selbst liefert das Argument, warum dem nicht so sein muss. Er schreibt, dass die Summe aller Finanzvermögen null ist, weil jeder Forderung eine Verbindlichkeit gegenübersteht.

Das ist richtig. Habe ich ein Sparbuch bei einer Bank, so schuldet mir diese Bank den eingezahlten Betrag. Wenn also ein Unternehmen einen größeren Betrag in ein sehr spekulatives Wertpapier investiert, dann hat der Verkäufer oder die Ausgeberin diesen Betrag erhalten. Er muss wiederum angelegt werden. Es müsste also begründet werden, warum durch die Vergrößerung des Finanzvermögens dieses Unternehmens die Weiterleitung des Betrags über Finanzmärkte in den realen Sektor nicht funktioniert.

Krisen-Anfälligkeit