Diese Frauen stehen - wie generell Menschen in engerem Kontakt zu Schmutz - am unteren Ende der sozialen Rangordnung. Sie reinigen Haushalte, die Arbeitsplätze der Anderen, Straßen oder die Kanalisation. Sie bringen weg, was beseitigt werden soll. Hygiene bewahrt die Megastädte des Westens vor Epidemien. Ein schmutziges Krankenhaus wäre ein Todesurteil für Patienten und medizinisches Personal gleichermaßen. Dennoch beachtet kaum jemand die zwingend notwendigen Putzfrauen und -männer in einem Spital. Beinahe unsichtbar und - im Gegensatz zu Ärzten - völlig unbekannt, garantieren sie die zwingende Hygiene der Krankenstationen. Sie agieren buchstäblich im Schatten.

Menschen, die putzen, sehen sich überdies öfter mit dem Vorurteil konfrontiert, selbst schmutziger zu sein als andere, sozial höher gestellte Personen. Im Zuge eines uralten, teils ritualisierten oder tradierten Verhaltensmusters gehen symbolische Bedeutungen des Gegenstandes auf die Handelnden über. Die negativen Assoziationen und Zuschreibungen von Schmutz werden auf die Personen, die mit ihm hantieren, übertragen.

Diese Vorstellungen führt etwa dazu, dass man sich eher geneigt sieht, sich die Hände zu waschen, nachdem man einer Hausmeisterin oder einem Schulwart die Hand geschüttelt hat, als nach dem Kontakt mit einer Direktorin oder einem Arzt. Nicht umsonst heißt die niedrigste Kaste Indiens die "Unberührbaren". Ein Brahmane, ein Angehöriger der höchsten Kaste, der Priesterkaste, kann keine religiösen Handlungen durchführen, wenn er Kontakt mit einem Unberührbaren hatte, ohne sich davor rituell zu reinigen.

Häusliche Liebesarbeit

Im Gegensatz zu putzenden Menschen mit Migrationshintergrund und/oder dunklerer Hautfarbe ist die Hausfrau ein, wenn nicht das Symbol für strahlende Reinheit. Die liebende Ehefrau und Mutter ist in jeder Hinsicht für alle Arten von realer und metaphorischer Sauberkeit zuständig und verantwortlich. Ihr Reinlichkeitsverhalten wird gerne mit genereller Tugendhaftigkeit in Zusammenhang gebracht - und auf soziales, sexuelles und moralisches Verhalten übertragen.

Dass Frauen die Reinigung im Haus übernehmen, während Männer außer Haus arbeiten, wurde lange - und wird zum Teil bis heute - gerne biologisch begründet: Frauen verrichten aufgrund ihrer physiologischen Eigenschaften die vermeintlich leichtere und ungefährlichere Arbeit zu Hause, während die Männer die schwere, harte Arbeit draußen erledigen - sei es im körperlichen wie im geistigen Sinn. Zudem binden Schwangerschaft und Geburt die Frau (nach bürgerlicher Vorstellung) an das Haus.

Die Historikerin und Feministin Barbara Duden schrieb bereits 1977, dass das Putzen für die eigene Familie als Teil der häuslichen Liebesarbeit gilt, die die Frau freiwillig und aus Liebe zu den Ihren auf sich nimmt. Putzen für Mann und Kinder ist ein Dienst, der nicht mit Geld, sondern mit Liebe vergolten wird. Die Frau stellt ihre Arbeitskraft gratis in den Dienst der Familie und erhält als Gegenleistung Kost, Logis und Zuneigung.

Dieses gesellschaftliche Rollenbild ist ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen Industriegesellschaft. Die unbezahlte Arbeit der Hausfrauen gehört zum Wirtschaftssystem hinzu. Generell gilt: Bezahlte Arbeit setzt unbezahlte Hausarbeit voraus, egal ob diese von Männern, Frauen, Singles oder Pensionisten erledigt wird. Derzeit arbeiten berufstätige Frauen durchschnittlich 77 Stunden pro Woche, um den Haushalt - gesellschaftlichen Anforderungen gerecht - aufrechtzuerhalten. Diese Arbeitszeit übersteigt jene der Männer deutlich.