Blick auf die farblose Mondwelt ... - © NASA
Blick auf die farblose Mondwelt ... - © NASA

Nun peilt Moskau die Wiederaufnahme der bemannten Sojus-Flüge an. Man will unter anderem den Mond umkreisen und bald danach eine Landemission wagen. Doch bis vor Kurzem waren die Militärs mit der Beendigung des "Prager Frühlings" beschäftigt; sogar im Kosmodrom von Baikonur fanden ab Mitte Juli entsprechende Notfallsitzungen statt. Das vertraut Generaloberst Nikolai Kamanin, der Leiter des Kosmonautentrainings, seinem Tagebuch an.

Erfolgreiches Scheitern

Am 25. Oktober 1968 steigt eine unbemannte Sojus 2 auf. Tags darauf hetzt der Kosmonaut Georgi Beregowoi ihr in der Sojus 3 hinterher. Er wurde 1921 in der damaligen Sowjetrepublik Ukraine geboren und für seinen Kampffliegereinsatz im Zweiten Weltkrieg mit dem Titel "Held der Sowjetunion" ausgezeichnet. Beregowoi muss sofort auf das leere Schwesterschiff zuhalten - möglicherweise, um den raschen Anflug eines "Killersatelliten" zu simulieren. Das geplante Andockmanöver soll ohne Funkkontakt und im dunklen Schatten der Erde erfolgen. Der Weltraum-Neuling hat sich noch nicht an die Schwerelosigkeit gewöhnt. Er fühlt sich so, als würde sein Körper "herunterhängen".

Die letzten 200 Meter fliegt Beregowoi per Handsteuerung. Er hat das Andocken immer und immer wieder geübt: Doch dem Flugsimulator mangelte es an Realismus. Das rächt sich jetzt. Beregowoi merkt nicht, dass eines der beiden Schiffe verdreht ist. Es ist, als wolle man einen am Dach liegenden Eisenbahnwaggon an einen Zug ankoppeln. Nach fast vier Tagen lässt man den Kosmonauten landen. Die sowjetische Presse verschweigt den Fehlschlag und bejubelt die geglückte, "enge Annäherung" der beiden Schiffe.

Die erste bemannte Mondumrundung wäre eine Sensation, das weiß man in Ost und West. Die Kraft der dreistufigen, russischen Proton-Rakete würde dafür gerade ausreichen - sofern man die Sojus um eines ihrer drei Module erleichtert und schlussendlich auch noch den Reservefallschirm entfernt. Die Kosmonauten würden diese abgespeckte Version, "Sojus Zond" genannt, gerne fliegen. Doch Wassili Mischin, der Leiter des federführenden Konstruktionsbüros, zögert. Er fordert zunächst drei erfolgreiche Testflüge ohne Besatzung ein.

Die unbemannte Sojus Zond 4 ist im März 1968 bereits in eine Höhe von 354.000 km aufgestiegen. Auf der Heimreise vom Kurs abgekommen, sprengte sich das Schiff aber über dem Golf von Guinea in die Luft; es sollte keinesfalls der Konkurrenz in die Hände fallen.

Käferlarven auf Allreise

Am 18. September 1968 umrundeten in der Zond 5 dann erstmals Lebewesen den Mond. Die weit gereisten Besucher vom Planeten Erde waren keine Menschen - sondern Mehlkäferlarven, Fliegen und zwei russische Landschildkröten. Drei Tage danach geriet der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre allerdings zur Tortur. Menschen wären mit mehr als dem Zwanzigfachen ihres Körpergewichts in den Sitz gedrückt worden. Die Schildkröten haben den Höllenritt erstaunlicherweise überlebt.