Absurde Preissteigerung

Die Weltgeltung Egon Schieles im Kanon der bedeutendsten Maler und Zeichner des 20. Jahrhunderts gilt heute, zur Wiederkehr seines 100. Todestages, als gesichert. Dazu ist es nicht notwendig, aber interessant, auch einen Blick hinter die Kulissen der Preisentwicklung zu werfen:

Im Lagerkatalog der Firma Kornfeld und Klipstein, Bern, aus dem Jahr 1956 ist ein kleines Ölbild, "Tote Stadt I", (1911, 37 x 30 cm) noch mit 4250 Schweizer Franken taxiert, und das wunderbare Aquarell "Knabenbildnis/ Matrosenknabe" (1914) mit 650 Franken (sic!).

Etwas mehr als sechzig Jahre später kommt Schieles Ölbild "Dämmernde Stadt (1913) am 12. November 2018 bei Sotheby’s in New York mit einem Schätzpreis von 18 Millionen Dollar (sic!) zur Versteigerung. Man sollte sich aber hüten, "Kunstpreis-Exzesse" als Wertmesser zu betrachten. Lassen wir lieber den Künstler selbst sprechen, und zwar mit einem Gedicht:

Ein Selbstbild (1910)

Ein ewiges Träumen voll süßesten / Lebenüberschuss -- rastlos, -- / mit bangen Schmerzen innen, in der / Seele. -- Lodert, brennt, wachst / nach Kampf, -- Herzkrampf. /

Wegen und wahnwitzig rege mit / aufgeregte Lust. -- Machtlos ist / die Qual des Denkens, sinnlos, um / Gedanken zu reichen. -- Spräche / die Sprache des Schöpfers und /gäbe. -- Dämone! -- Brecht die / Gewalt!

Eure Sprache, -- Eure Zeichen, - Eure Macht.