Der Krieg der Vietnamesen gegen die hauptsächlich von Fremdenlegionären getragene und nun zunehmend von den USA unterstützte Kolonialmacht Frankreich ging indes unvermindert weiter. In der Endschlacht um den Kessel von Dien Bien Phu im Frühjahr 1954 kämpften sich die Soldaten General Giáps an die französischen Stellungen heran, und der Elsässer Viet Minh-Propagandaoffizier Erwin Borchers forderte die Söldner per Lautsprecher auf Deutsch zur Desertion auf. Geschätzte 8000 der rund 35.000 deutschen Legionäre in Indochina überlebten nicht. Nach Kriegsende kamen 800 überlebende deutsche Überläufer via China und Moskau zurück nach Europa.

Ernst Frey war schon vorher zusammen mit Georg Wächter, einem anderen Österreicher bei den Viet Minh, auf diesem Weg nach Hause gefahren. Erst da erfuhr er vom Schicksal seiner Eltern - ihrer Ermordung im KZ. Der frühere Kommunist und nunmehrige Christ wurde Antimilitarist und Antikommunist. Später unterstützte er Amnesty International und Wehrdienstverweigerer vor der Zivildienstkommission. Er söhnte sich mit seinem einstigen Mentor aus, dem im Herbst 2013 verstorbenen General Giáp, und schrieb ihm, Vietnam sei seine Heimat, die er 1950 verloren habe: "Es war auch das einzige Land, für das ich bereit gewesen wäre, mein Blut zu vergießen." 1980 erhielt Frey den Hô-Chí- -Minh-Orden für seine Verdienste.

Er schrieb seine Erinnerungen nieder und versuchte bis zu seinem Tode vor 20 Jahren, im Jänner 1994, vergeblich, einen Verlag zu finden. "Schaut’s, dass das Buch herauskommt", war Freys Vermächtnis an seine beiden Töchter. Die Historikerin Doris Sottopietra hat das 1200 Seiten-Manuskript zu einem schillernden Zeitdokument verdichtet. Der Czernin Verlag hat die Memoiren neu aufgelegt. "Vietnam, mon amour" ist der Titel, der an das Drehbuch der in Saigon geborenen Marguerite Duras zu Alain Resnais’ Filmklassiker "Hiroshima, mon amour" angelehnt ist.

Auch wenn der Krieg in Vietnam, der bald der "amerikanische" genannt wurde, weiterging: Arabische und algerische Soldaten trugen die selbst erlebte Möglichkeit, die Freiheit gegen scheinbar überlegene Kolonialherren zu erkämpfen, zurück in ihre Heimatländer. Wenige Monate nach der Kapitulation von Dien Bien Phu ging im November 1954 die algerische FLN in die Offensive.

Aktuelle Legionäre


Freiwilligen Kombattanten wird im manchmal verklärten Rückblick wenn nicht Bewunderung, so doch Respekt gezollt, seien es Brigadisten in Spanien gewesen oder Revolutionäre in Vietnam wie Ernst Frey. Doch nicht alle kämpften schon damals für Demokratie oder eine Art von Freiheit, wie wir sie heute verstehen.

Auch wenn es gegen einen ausgewiesenen Diktator gehen mag: Heute verschaffen uns Kombattanten aus Europa in einem Jihad ein zumindest mulmiges Gefühl. Geschätzte 2000 EU-Bürger kämpfen 2014 in syrischen Milizen, davon ein paar Dutzend aus Österreich. Die meisten haben einen Familienhintergrund im Nahen Osten oder im Maghreb; etliche sind Konvertiten.

Kämpfer gegen Bezahlung waren quer durch die Geschichte wenig geachtet. Mit der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht und der Aufstellung von Berufsarmeen beginnen die Grenzen wieder zu verschwimmen. Für ihren Bedarf im Irak- und Afghanistan-Krieg übernahmen die USA das Legionärsmodell und rekrutierten mittels Green-Card-Angeboten arme Lateinamerikaner. Längst aber machen "Sicherheitsfirmen" - Stichwort "Blackwater" - den einstigen Legionären Konkurrenz.

Gunther Neumann, geboren 1958, studierte Geschichte, Wirtschaft und Völkerrecht. Nach Jahren in leitender Position bei internationalen Organisationen in Asien, Afrika und Lateinamerika ist er u.a. Vizepräsident des "Kelman Institute for Interactive Conflict Transformation".