"Wiener Zeitung": Herr Lukas, welche Interviewfrage können Sie nicht mehr hören?

Leo Lukas: "Was machen Sie eigentlich beruflich?" Und: "Kann man davon leben?"

Wobei sich in Ihrem Fall schon die Frage stellt, welche Ihrer verschiedenen Aktivitäten als Hauptberuf bezeichnet werden kann.

Nun, in einer Phase meines Lebens hätte ich ausschließlich vom Kabarett, vom Regieführen oder vom "Perry Rhodan"-Schreiben leben können. Das ist jetzt nicht mehr so. Heute brauche ich alle drei Elemente, aber diese Abwechslung macht auch Spaß. Ich glaube zwar, dass es vermutlich rein karrieretechnisch sinnvoller gewesen wäre, mich auf eines zu konzentrieren, aber das entspricht mir halt nicht, ich bin an vielen verschiedenen Dingen interessiert. Geschrieben habe ich immer schon, von klein auf, das war und ist für mich genauso selbstverständlich wie auf einer Bühne zu stehen. Mir haben schon oft Leute gesagt: "Ich könnte das nie, mich vor dreihundert oder gar dreitausend Leuten hinzustellen." Aber ich finde da nichts dabei.

Lieber dreitausend Leute als dreißig, das zahlt sich dann auch finanziell aus.

Sowieso, ein voller Stadtsaal mit vierhundert Zuschauern ist wesentlich leichter handhabbar als vierzig Leute in einem kleinen Theater. Und lukrativer, das stimmt. Jedenfalls bin ich 1984 vor der Wahl gestanden, mich entweder für den Journalismus oder das Kabarett als Hauptberuf zu entscheiden. Als ich dann die Chance hatte, für das Rollenspiel "Shadow Run" ein Quellenbuch und einen Roman zu schreiben, habe ich lange mit mir gehadert, ob ich jetzt noch ein Hobby zum Beruf machen soll. Es war aber eh von vornherein klar, dass es mich zu sehr reizt, um es nicht zu machen. Das war es dann aber auch. Ich spiele leidenschaftlich gern Badminton, aber dass ich da noch Profi werde, das geht sich eher nicht mehr aus.

Es ist wohl ein schmaler Grat zwischen dem Ausleben von Hobbys und Selbstausbeutung?

Seit ich durch die Sozialen Medien mehr Kontakt zu anderen Kollegen habe, erkenne ich immer mehr, dass gewisse Dinge uns alle vereinen, etwa der Kampf gegen die Prokrastination. Wir sind alle pure Selbstständige, und außer Abgabeterminen gibt es wenig, was uns strukturiert. Und bezüglich Abgabeterminen halte ich es mit dem seligen Douglas Adams, der gesagt hat: "Ich liebe das Geräusch, das sie machen, wenn sie an mir vorbeisausen."

Apropos Douglas Adams: Sie schreiben seit 2001 "Perry Rhodan"-Geschichten. Wie kam das?