Ich war - so wie sämtliche Autorinnen und Autoren der vergangenen Generationen - davor ein begeisterter Leser der Serie, schon im zarten Alter von dreizehn Jahren. Ich bin dann über einen Gastroman hineingekommen (Band 2059 von bisher 2999, Anm.), inzwischen schreibe ich fünf bis sieben Geschichten pro Jahr.

Was macht diese Serie so langlebig?

Ich glaube, da gibt es einige recht schlüssige Erklärungen. Eine davon ist, dass es eine in Zyklen organisierte Fortsetzungsserie ist. Es ist am ehesten mit einer avancierten zeitgenössischen Fernsehserie vergleichbar. Dieser Fortsetzungscharakter ist sicher entscheidend für die Leserbindung. Außerdem ist es durch den Kultfaktor mittlerweile ein Sammelobjekt geworden.

Als "Perry Rhodan" vor fast sechs Jahrzehnten erfunden wurde, hatte noch niemand einen PC zu Hause, inzwischen gibt es Künstliche Intelligenz - inwieweit zeigt sich diese Entwicklung in der Science-Fiction?

Grundsätzlich gilt, was Egon Friedell über Geschichtsschreibung gesagt hat - dass man immer nur die eigene Gegenwart beschreiben kann -, sinngemäß auch für die Zukunft. Aber in einzelnen Details und mit manchen Extrapolationen und Vermutungen kann man schon ganz gut liegen. Bereits in den ersten "Perry Rhodan"-Romanen 1961 verwenden die Leute Kommunikationsmittel, die quasi Smartwatches sind. Was ganz krass ist: Damals hat man gedacht, Rechenleistung habe mit Größe zu tun, deshalb ist bis heute der ganze Mond ein einziger Supercomputer namens "Nathan". Das hat man beibehalten, weil man bestimmte Dinge nicht mehr rausschreiben kann. Aber natürlich sind in den Neuauflagen der älteren Hefte irgendwann die Lochkarten durch andere Eingabemittel ersetzt worden, sowas geht noch relativ leicht.

Viele Dinge sind jedenfalls erstaunlich gut extrapoliert worden, schon lange vor amerikanischen oder britischen Fernsehserien - aber was wirklich niemand auf der Rechnung hatte, war das Internet! Wir haben es rückwirkend hineingeschrieben. In mehreren Heften geht es darum, dass man in einer fremden Galaxie unbedingt den einen wichtigen Archivplaneten finden muss, auf dem die benötigten Informationen vorrätig sind. Wenn das heutige Leser sehen, fragen die sich: "Warum gehen die nicht einfach ins Netz und googeln es?" Antwort: Weil es das damals noch nicht gab! Auch Anwendungen wie das Internet der Dinge, etwa in Form von Minicomputern in der Kleidung, gibt es jetzt in "Perry Rhodan" - eingeplant war es anfangs aber nicht. Das ist bei anderen Science-Fiction-Serien aber auch nicht anders.

Eine Auswahl von "Perry Rhodan"-Heften, die Leo Lukas geschrieben hat. - © Illustration: WZ
Eine Auswahl von "Perry Rhodan"-Heften, die Leo Lukas geschrieben hat. - © Illustration: WZ

Haben wir mittlerweile alles erdacht, was an technischer Entwicklung möglich ist, und müssen es nur noch realisieren oder verbessern? Anders gefragt: Wieviel Potenzial hat der Futurismus noch?

In einem meiner Kabarettlieder beschreibe ich, wie ich als Kind geglaubt habe, dass alles schon erfunden worden sei und es nichts Neues mehr geben könne - das war noch vor dem Farbfernseher! Ich glaube also schon, dass da noch was geht, sofern wir uns als Menschheit nicht schon vorher aus dem Rennen nehmen, wofür die Chancen nicht so schlecht sind . . . Der Historiker Yuval Noah Harari beschreibt in "Homo Deus" mögliche zukünftige Entwicklungen. Die müssen nicht unbedingt toll werden, jedenfalls nicht für alle, aber spannend wird es schon werden. Vieles ist noch lange nicht ausgereizt.