Gibt es bei "Perry Rhodan" etwas, das noch nicht einmal ansatzweise realisiert ist?

Überlichtschnelles Reisen - das haben alle Science-Fiction-Geschichten gemeinsam. Das muss postuliert werden, weil Raumfahrten sonst ziemlich lange dauern würden. Aber selbst an der Teleportation wird ja bereits gearbeitet. Eine ziemliche Herausforderung ist allerdings Antigravitation, also die Aufhebung der Schwerkraft. Die ersten "Perry Rhodan"-Autoren haben, weil die Serie ursprünglich nur auf fünfzig Hefte angelegt war, ziemlich schamlos drauflosgeschrieben und sich irgendwas zusammengesponnen, was uns teilweise bis heute nachhängt. Sie haben zum Beispiel in einem der ersten Hefte eine Figur eingeführt, die die gesamte Zeit von Anfang bis Ende durchreist hat - und daher alles weiß. So eine Figur ist dramaturgisch tödlich. Wir haben es dann geschafft, sie irgendwo zu parken, wo sie nicht stören kann.

Wieviel Freiheit haben Sie beim Schreiben?

Das ist unterschiedlich. Es gibt Romane, die ich schreibe, wo das Exposé länger ist als der Roman, weil so viele neue Völker, Handlungsorte, Raumschiffe und ähnliches vorgestellt werden. Wenn ich eigene Vorschläge habe, schicke ich die dem Chefautor, und es kann sein, dass es ihm völlig egal ist, wie ich von A nach B komme, und ich freie Hand habe - oder er sagt: "Nein, auf gar keinen Fall, es muss unbedingt so oder so sein, weil da ein verborgener Hinweis drinnen steckt, den wir dreißig Hefte später auflösen."

Wir Autoren haben alle irgendwann einmal Figuren eingeführt, die uns gefallen und die möglichst oft auftreten, vor allem in Nebenhandlungen. Das geht gut. Es hat Kollegen gegeben, die nach drei, vier Romanen aufgegeben haben, weil ihnen das Korsett zu eng wurde, aber mir gefällt es sehr gut. Ich bin einerseits gerne Solist, aber ich arbeite auch gerne mit anderen zusammen. Eine Schriftstellerkarriere im herkömmlichen Sinn ist eher so etwas wie Tennis - "Perry Rhodan" hingegen ist wie Fußball. Es ist ein Mannschaftsspiel. Da musst du halt manchmal mannschaftsdienlich spielen, obwohl es dir nicht viel bringt. Du erledigst Defensivaufgaben oder gibst relativ unspektakuläre Pässe, die dann spielentscheidende Vorlagen sind, die Scorerpunkte bekommt aber jemand anderer. Das muss man aushalten.

Stilistisch kann ich mich aber ausleben. Unser Chefredakteur setzt bewusst auf Vielfalt - und das macht es natürlich leichter. Müsste ich mich einem Einheitsstil anpassen, hätte ich sicher Probleme. Es gibt Leser, die behaupten, dass sie auf zwei beliebigen Seiten den jeweiligen Autor nennen können.