Kabarettistisch sind Sie sowohl alleine als auch mit Partnern aktiv. Was ist Ihnen da lieber?

Das ist schwer zu sagen. Ich fahre lieber zu zweit durch die Gegend, weil es alleine ein bisschen fad ist. Auf der Bühne ist es inzwischen zu zweit weniger anstrengend, das ist auch eine gewisse Alterserscheinung. Ein abendfüllendes Programm zu spielen kostet schon viel Substanz. Andererseits machen mir Lesungen alleine schon sehr viel Spaß. In einem Programm kann man aber zu zweit die Spannung besser halten.

Welche Rolle spielt Musik in Ihren Programmen? Würde ein Solo ohne Musik funktionieren?

Nein, ich glaube nicht. Die Musik gehört für mich dazu, weil sie eines der Ausdrucksmittel ist, die ich habe und gut benutzen kann, im Gegensatz etwa zu Parodien, die mir weniger liegen. Freilich schaffen manche musikalische Scherze die Fünf-Prozent-Hürde beim Publikum nicht. Unterbewusst kann man mit Musik aber viel machen.

Die fünf Prozent, die diese Pointen verstehen, haben es dann immerhin fein, und die anderen stören zumindest nicht.

Absolut. Auch was manche Anspielungen und Scherze betrifft. Ich habe über die Jahre lernen müssen, dass der Wissensstand des Publikums sehr unterschiedlich ist. Selbstbezügliche Anspielungen kann man zum Beispiel von vornherein vergessen. Denn man kann nicht davon ausgehen, dass die Leute, die heute im Programm sitzen, auch das vorherige gesehen haben.

Sie haben im Vorfeld Ihres 60. Geburtstags am 8. Jänner "Das große Leo Lukas Lesebuch" mit Texten aus vier Jahrzehnten veröffentlicht. Wie geht es einem, wenn man in alten Texten stöbert? Gibt es welche, die Ihnen heute peinlich sind?

Im Großen und Ganzen war erstaunlich wenig dabei. Beeindruckend ist, wieviel man vergisst. Ich habe einige Texte gefunden, die ich nicht als meine erkannt hätte, wenn man sie mir gezeigt hätte. Interessant ist, dass es dadurch, dass ich nur selten tagesaktuell gearbeitet habe, doch vieles gibt, was auch nach dreißig Jahren noch geht. Bei manchen Texten musste ich nur ein paar Namen aktualisieren - und sie funktionieren noch immer.

Ich hatte beim Lesebuch auch das Glück, dass meine Lektorin (Marina Hofinger, Anm.) davor nichts von mir gekannt hat und mir einige Stellen, die ich gerne drinnen gehabt hätte, erfolgreich ausgeredet hat. Weil sie beim Lesen erst spät - sehr spät - draufgekommen ist, dass es satirisch und ironisch gemeint war. Da wäre ein unbedarfter Leser wahrscheinlich schon ausgestiegen gewesen. Überhaupt funktionieren manche Texte, die ich oft und mit großem Erfolg live gebracht habe, beim reinen Lesen überhaupt nicht. Das Lesebuch ist jetzt eher eine Sammlung von Texten, die ich überwiegend nicht fürs Kabarett geschrieben habe.