Gibt es frühere Pointen, die heute nicht mehr notwendig sind, weil das Publikum ein anderes Verständnis hat?

Es ist teilweise schon erfreulich viel Bewusstseinsbildung passiert. Im Programm "Wohin die kleinen Kinder kommen" aus dem Jahr 2005 geht es etwa um den geringen Frauenanteil unter Universitätsprofessoren - da hat sich inzwischen einiges geändert. Allerdings sind Dinge wie "Grab them by the pussy" ein Beweis dafür, dass immer noch sehr viel zu tun ist. Vor allem ist ein gewisser Backlash in Richtung Retrochauvinismus zu bemerken. Und wann immer ich auf Facebook etwas über gemeinsame Projekte mit Kollegen poste, habe ich verlässlich drei, vier Freundinnen dabei, die die geringe Frauenquote beklagen. Das finde ich gut, auch wenn es mir auf die Nerven geht.

Auch im Kabarett gibt es mehr bekannte männliche Namen als weibliche. Warum?

Du tust dir jedenfalls als Mann leichter, sowohl bei der Schreiberei als auch bei der Herumfahrerei und Spielerei.

Weil man als Mann leichter die Frau mit den Kindern daheim lassen kann als umgekehrt?

Selbst wenn keine Kinder da sind: Es ist anstrengend, es fordert einen sehr, man bekommt teilweise schon eine Kompensation dafür, aber auf eine eher männliche Art. In der Zeit, wo ich am meisten gespielt habe, hatte ich 180 bis 200 Auftritte im Jahr, da sieht man in Wahrheit nichts mehr außer dem Theater, dem Hotelzimmer und dem Lokal, in dem man nach dem Auftritt noch auf ein Bier zusammensitzt. Und dort bekommt man eine oberflächlich eher männliche Zustimmung, die für viele Frauen nicht befriedigend ist, glaube ich. Die ist ihnen ganz einfach zu wenig. Ohne jetzt irgendwas pauschalieren zu wollen: ich kenne auch sehr weibliche Männer und sehr männliche Frauen. Auch da hat sich einiges getan, sodass die Rollenklischees nicht mehr so hart durchschlagen. Aber grundsätzlich ist und bleibt es ein Unterschied, ob man als Mann oder als Frau auf der Bühne mit dem Publikum kokettiert.

Wie geht eigentlich "Perry Rhodan" mit dem Frauenthema um?

In den ersten hundert Heften glaubt man, dass es nur ein paar Frauen im ganzen Universum gibt. Das hat sich inzwischen zum Glück geändert, aber es war oft nicht leicht, sie als starke Figuren hineinzubringen. Ich halte mir zugute, relativ viele von ihnen in die Serie eingeführt zu haben. In der Trivialliteratur kommen Frauen ja meistens als Opfer oder als zu rettende Prinzessinnen vor - das ist bei uns jetzt nicht mehr der Fall. Wir haben auch mit drei Autorinnen von insgesamt elf Schreibenden im Team derzeit den höchsten Frauenanteil bisher.

Letzte und angesichts ihres uvres unvermeidliche Frage: Was ist Ihr liebster Schüttelreim?

Das ist einer der ersten, die mir aufgefallen sind, mit dem Titel "Künstlerschicksal":

"Er hatte latente Talente - jetzt spielt er am Gehsteige Stehgeige."