"Eigentlich mag ich ja diese grobschlächtigen Charaktere gerne. Damenhaft zu sein ist für mich immer ein wenig anstrengend." Adele Neuhauser
"Eigentlich mag ich ja diese grobschlächtigen Charaktere gerne. Damenhaft zu sein ist für mich immer ein wenig anstrengend." Adele Neuhauser

Neuhauser: Aber ich glaube, dass wir als gemeinsame Energiebündel schon schwierig waren, weil da musst du im Team ja auch dagegenhalten.

Stein: Oder dich motiviert fühlen dadurch! Wir haben ja mit allem ein irres Glück gehabt - mit den Drehbüchern, den Autoren, den Regisseuren und unseren Kolleginnen und Kollegen.

Wie sieht Ihre persönliche Vorbereitung auf eine Szene aus: Brauchen Sie da Ruhe und Rückzug oder suchen Sie eher den Kontakt mit den Kollegen?

Neuhauser: Das kommt ganz auf die Situation an, die ich zu erfüllen habe. Es gibt Momente, in denen ich mich gerne zurückziehe und mich einfach sammle, damit ich nicht abgelenkt werde von der Stimmung am Set oder von Blödeleien. Aber grundsätzlich bin ich jemand, der gerne mit allen zusammen ist. Ich entferne mich ungern vom Set, weil ich mich dann plötzlich so einsam, so losgelöst vom Team fühle. Ich spüre gerne die Atmosphäre am Set, dann gibt es keinen Übergang, keinen Schnitt, sondern man lebt die ganze Zeit in der Geschichte.

Stein: Wenn wir nicht gedreht haben, sind wir gemeinsam raus in die Natur gegangen, waren Boot fahren und wandern.

Haben Sie beim Gehen auch so ein Tempo drauf wie Frau Neuhauser? Das wird ja sogar in Ihrer Autobiografie, "Ich war mein größter Feind", thematisiert, dass der "forsche Gang" quasi ein familiär vererbtes Markenzeichen ist.

Stein: Nicht ganz so wie Adele, ich staune, wie schnell sie den Berg rauf läuft! In der Stadt gehe ich auch sehr schnell, bergauf war sie mir noch ein paar Schritte voraus. Ich glaube, wir haben generell sowohl beim Sprechen wie beim Denken, beim Arbeiten ein irres Tempo. Uns kommen ständig Ideen, wie man eine Szene vielleicht noch besser umsetzen könnte. Das kann ich gar nicht abstellen - und es ist auch schön, wenn es sprudelt.

Neuhauser: Ich finde, diese Leidenschaft muss da sein. Wir wollen ja auch leidenschaftlich erzählen, wir wollen, dass die Menschen mitgehen und uns in ihren Emotionen begleiten. Da dürfen wir sie dann auch nicht verraten.

Stein: Ich würde wahnsinnig gerne einmal mit dir Theater spielen: Ein Zweipersonenstück, das wäre der Hammer!

Ihre Karriere, Frau Neuhauser, hat ja am Theater begonnen. Sie haben 25 Jahre in Deutschland an verschiedenen Häusern gespielt. Wo ist Ihrer Erfahrung nach ein intensiveres Agieren möglich, am Theater oder vor der Kamera?

Neuhauser: Das will ich gar nicht trennen, da gibt es für mich keinen Unterschied. Das Theater erfordert eine zusätzliche Energie, um es über die Rampe zu bringen. Das war auch der Grund, weshalb ich mich dann ein bisschen vom Theater distanziert habe, weil ich das Gefühl hatte, ich powere mich aus. Wobei ich beim Film dann auch wieder sehr expressive Figuren gespielt habe. Ich muss sagen, ich sehne mich wieder nach dem Theater, weil ich den ganzen Probenprozess, die Unmittelbarkeit des Publikums sehr liebe. Allerdings nicht mehr um jeden Preis.