"Wiener Zeitung": Sie sind gelernter Klavierbauer mit eigener Werkstatt, haben aber noch eine zweite Leidenschaft: das Tanzen. Wieso gründet ein Klavierbauer ausgerechnet eine Tanzschule?

Georg Watzek: Das hat sich so ergeben. Und so verschieden sind die Berufe gar nicht, wenn man sie vom Resultat her anschaut. Es macht mir Freude, wenn der Pianist in bester Stimmung auf die Bühne geht, weil ich sein Instrument gut gestimmt habe. Und beim Tanzen ist es ähnlich. Mir ist es nicht so wichtig, dass meine Schüler eine Dancing-Star-Performance hinlegen. Sie sollen Spaß an diesem Hobby finden und vielleicht auch noch einen eigenen Stil.

Georg Watzek beim Klavierstimmen. - © Mario Lang
Georg Watzek beim Klavierstimmen. - © Mario Lang

Gibt es Menschen, die einfach nicht tanzen können?

Ich habe einen anderen Zugang. Ich unterrichte die zehn Standardtänze. Jeder dieser Tänze hat seine eigene Charakteristik. Für mich gibt es keinen Menschen, der gleichermaßen das Talent für alle diese Tänze hat. Es gibt für jeden von uns einen Tanz, den er mag oder eben nicht mag. Ich zum Beispiel liebe den Boogie, weil er mir von der Bewegung her liegt. Ich mag aber auch den Slow Fox und den langsamen Walzer wahnsinnig gern. Es gibt Menschen, die sagen, dass der Tango ihr Traum ist. Das ist völlig ok, aber die werden vielleicht nicht die Lockerheit aufbringen, die der Cha-Cha-Cha erfordert.

Es gibt also niemanden, der besser gar nicht tanzen sollte?

Ich habe durchaus Menschen getroffen, denen das Tanzen schlussendlich keinen Spaß gemacht hat. Tanzen ist nicht nur eine Auseinandersetzung mit sich selbst, sondern auch mit dem Partner. Manchmal denkt man sich, furchtbar, was der Partner heute zusammentanzt. Aber meist hat das auch mit einem selbst zu tun, das merkt man in der Selbstbefragung: Was hat die Arbeit heute mit mir gemacht? Warum stehe ich so unsicher auf den Beinen? Meist spiegelt der Partner die eigenen Zustände. Das ist eine wichtige Lektion: Man neigt dazu, alles, was bei einem selbst nicht funktioniert, auf den Partner zu übertragen. Speziell bei den Standard-Tänzen, wo man wirklich auf Tuchfühlung ist. Wo jeder Atemzug vom Partner gefühlt wird. Deshalb gibt es Tanzabende, wo alles wunderbar funktioniert, und dann wieder hat man das Gefühl, dass man sich nur auf die Füße steigt.