Es gibt eine Tanzlehrer-Akademie des Wiener Tanzschulverbands, die muss man absolvieren. Im Grunde genommen ist es ein duales Ausbildungssystem. Man macht die Ausbildung in einer Tanzschule auf der Basis eines Lehrvertrags. Für die Fachschule gibt es dann noch eine eigene Aufnahmeprüfung, die Ausbildung dauert drei Jahre. Nach zwei weiteren Jahren kann man dann die Tanzmeister-Prüfung ablegen.

Ist Tanzlehrer ein Fulltimejob, oder übt man den Beruf eher nebenbei aus?

Tanzlehrer in Vollzeit gibt es nur wenige. Das sind meist die, die eine eigene Tanzschule haben. Die meisten Tanzlehrer arbeiten zwei oder drei Tage die Woche und haben tagsüber noch einen anderen Job. Ein Beispiel aus meiner Tanzschule: Ich habe einen Tanzlehrer, der ist Professor an einer Uni, arbeitet aber nur 20 Stunden. Eine andere Tanzlehrerin arbeitet als Forscherin im Naturhistorischen Museum.

Das größte Hindernis beim Tanzenlernen ist das Gedächtnis. Wie lernt man am besten?

Ich versuche Französisch zu lernen und habe dabei eine englische Stimme im Ohr: Use it or loose it. Wenn man ein bisschen mehr erreichen möchte, muss man neben dem Kurs, den man besucht, einmal die Woche auch eine Perfektion aufsuchen. Die meisten Menschen, die heute in einen Tanzkurs gehen, haben aber wenig Zeit. Manche angehenden Tänzer wiederholen einfach den Kurs. Ich schaue mir auch gern Kinofilme öfter an, weil man dann mehr Details entdeckt. Das Tolle am Tanzen ist die Varianz der Füße: Man kann sich so unterschiedlich bewegen, das ist erstaunlich. Und mit jedem Tanz, den man lernt, hat man eine Ausdrucksform mehr.

Die Ballsaison hat begonnen. Was ist das Typische an Wiener Bällen?

Jeder, der einen Ball besucht, ist nicht nur Konsument, sondern auch Akteur. Das gibt es in der Form nur in Österreich, und es ist durchaus eigenartig. Wir haben schon einmal versucht, im Palais Auersperg Bälle für Touristen zu veranstalten. Es kommt jedoch keine Atmosphäre auf, wenn die Menschen in normalen Alltagskleidern auf einen Ball gehen. Wenn wir uns in einen Smoking stecken und ein hochgeschlossenes Hemd tragen, das zwickt und zwackt, und die Damen sich ins Ballkleid hineinhungern oder eigens um viel Geld eines kaufen, und dann auf Stöckelschuhen balancieren, dann ist das doch eher unbequem. Aber all das, die Aufmachung, die Kostümierung, macht aus so einer Tanzveranstaltung einen tollen Ball.

Kostümierung, Verkleidung, wir bewegen uns da in Traumbildern, nicht wahr?

Ja, absolut, und das ist das eigentlich Schöne daran. Der ehemalige Bürgermeister Häupl wurde einmal gefragt: Man sieht Sie am Fußballplatz mit einem Bier in der Hand und in der Oper mit einem Glas Sekt, wer sind Sie eigentlich wirklich? Und er antwortete: Ich bin das eine wie das andere. Es gibt heute keine eindimensionalen Menschen mehr. Ich finde Mehrdimensionalität schön.