Sie sagen, die Frauen in Ihrem Umfeld waren zum Großteil in unglücklichen Ehen "gefangen" - woher bezogen Sie dann Ihr Vorbild? Wer waren die starken Frauen in Ihrem Leben, die Sie motiviert haben, sich für Frauen zu engagieren?

Ich habe meine eigene Mutter als starke Frau erlebt. Allerdings lebte sie sehr traditionell, sodass ich immer das Gefühl hatte, sie hätte auch ganz anders leben können. Ich hätte sie mir sehr gut als Lehrerin vorstellen können, sie hat tolle Erstkommunions- und Firmgruppen geleitet. Es passt heute für sie, wie es war, aber ich glaube, da wäre noch viel denkbar gewesen. Diese verpassten beruflichen Möglichkeiten haben mir immer sehr leidgetan. Beruflich waren wohl am ehesten meine Lehrerinnen und natürlich Schriftstellerinnen Vorbilder für mich. Frauen, die schreiben, haben mich immer schon sehr fasziniert. Ich habe schon sehr früh Bachmann und Jelinek gelesen. Durch die Lektüre der "Liebhaberinnen" habe ich mich enorm bestärkt gefühlt. Das Gefühl, dass man auch aus traditionellen Rollen ausscheren darf, habe ich mir aus der Literatur geholt.

Apropos andere Rollen: In der Beratung arbeiten Sie gerne mit dem Mittel der "Parodie", das heißt, Sie ermutigen Frauen, sich auch einmal so wie Männer zu verhalten. Haben Sie selbst je einen Mann gespielt?

In der Phantasie auf jeden Fall (lacht). In der Realität leider nein, aber ich habe mich einmal auf ein Bewerbungsgespräch in einem Verlag so vorbereitet, dass ich plante, alles sehr "männlich" zu machen. Angefangen vom Gehen, über das Sitzen und Raumeinnehmen, bis zum Handschlag. Leider kam es dann nie zu diesem Gespräch. Aber ich probiere derartige Parodien gerne mit Freundinnen aus. Das geht auch sehr gut in die andere Richtung, dass man das "Weibchen"-Klischee so richtig auf die Spitze treibt. Humor erweitert Handlungsspielräume und ist darum wie im ganzen Leben auch in der Beratung wichtig!