In einem Interview wurde der ehemalige Skirennläufer Franz Klammer, ein deklarierter Doping-Gegner, gefragt, ob Sportler verpflichtet werden sollten, dopende Teamkollegen zu melden. Er hat sich mit der Antwort sehr schwergetan.

Ich komme selbst aus dem Sport. Es ist eine schwierige Situation, das sind - egal, ob es sich um Einzel- oder Mannschaftssport handelt - Freunde und Kollegen. Ich denke, dass die Anti-Doping- Arbeit in erster Linie eine Aufgabe der jeweiligen NADA und des jeweiligen Fachverbandes ist. Es kann nicht sein, dass man die Verantwortung für einen sauberen Sport an den einzelnen Sportler auslagert und suggeriert, er müsse uns erzählen, was hier vorgeht. Das wäre zu einfach. Natürlich brauchen wir die Unterstützung der Sportler, aber in der Realität steigt die Bereitschaft, Informationen zu geben, erst dann, wenn der Athlet selbst mit einer positiven Probe erwischt wurde. Im Normalfall sind Hinweise von aktiven Sportlern dürftig - wenn, dann erfolgen sie eher nach Kar-riereende.

Bedeutet ein Dopingnachweis nicht meist auch das Karriereende für den betroffenen Sportler?

Wenn wir den klassischen Fall einer verbotenen Substanz nehmen, dauert die Standardsperre vier Jahre. Es gibt keine Altersgruppe, in der das nicht eine Rolle spielen würde, denn in der Sperre ist nicht nur die Teilnahme an Wettbewerben, sondern auch die Teilnahme am organisierten Sport inkludiert, das bedeutet für einen Mannschaftssportler, dass er kein vereinsmäßiges Mannschaftstraining besuchen kann. Und ein Einzelsportler kann an keinem Kadertraining mehr teilnehmen. Damit fällt etwas weg, was im Sport besonders wichtig ist, nämlich das Messen mit Anderen. Vier Jahre sind in aller Regel das Ende der Karriere, samt Verlust aller Verträge, denn die Sponsoren sind die ersten, die aussteigen.

Gibt es auch versehentliches Doping?

Ein wirklich großes Problem sind die Nahrungsergänzungsmittel. Zum Teil sind Inhaltsstoffe nicht oder nur sehr unübersichtlich angegeben, oder es gibt Verunreinigungen während der Produktion. In mehreren voneinander unabhängigen Studien wurden in bis zu einem Viertel aller untersuchten Nahrungsergänzungsmittel verbotene Substanzen gefunden. In unseren Breiten reicht eine ausgewogene Ernährung aus, aber es gibt eben im Sport eine gewisse Neigung, Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Meiner Meinung nach bringt das gar nichts, wenn nicht ein tatsächlicher Mangel besteht, aber wenn es schon welche sein müssen, dann sollte man zumindest auf Qualitätskriterien achten. Auch bei einigen asiatischen Teesorten und verschiedenen Mitteln gegen Erkältung ist Vorsicht geboten, weil sie verbotene Substanzen enthalten können, aber das Stück Mohnkuchen, das zu einem positiven Dopingnachweis führt, ist ein Mythos.