Hängt die Zertifizierung für Fitness-Studios, die die NADA in Österreich anbietet, damit zusammen?

Ja, in einer gewissen Form, wir arbeiten sehr eng mit den Behörden zusammen. Das Bundeskriminalamt hat 2016 über eine Tonne an verbotenen Substanzen wie Wachstumshormone und Steroide beschlagnahmt. Davon geht der Großteil in den Breitensport, hauptsächlich an Personen, die möglichst schnell einen körperlich sichtbaren Erfolg haben wollen. Das betrifft halt sehr oft 16- bis 30-Jährige, die im November zu trainieren beginnen, um im Mai im Bad den perfekt austrainierten Körper herzeigen zu können. Die möchten nicht stundenlang im Fitness-Studio trainieren und auch die Leistungskomponente ist ihnen egal, die möchten einfach gut aussehen, und das ist hier unsere Zielgruppe. Daher haben wir 2018 ein Gütesiegel für Fitnessstudios ins Leben gerufen, das drei Kriterien beinhaltet, nämlich, dass die Trainerinnen über eLearning eine Anti-Doping-Lizenz lösen müssen, dass zumindest einmal im Jahr ein Anti-Doping-Vortrag gehalten wird, wobei es vor allem um Information und Bewusstseinsbildung geht, und dass wir Stichproben bei den Nahrungsergänzungsmitteln ziehen dürfen. Das Fitness-Studio ist quasi unser Zugang zur Gruppe der Breiten- und Freizeitsportler.

Es gibt ja auch die Theorie, dass die Leistungssteigerungsfähigkeit des Menschen ausgeschöpft ist - wir werden also nicht mehr viel schneller laufen oder höher und weiter springen können . . .

Die Tour-de-France-Etappe nach L’Alpe d’Huez ist in der Zeit nach den großen Dopingfällen (wie hier 2018) zwar langsamer, aber keineswegs weniger attraktiv geworden. - © apa/afp/Pool/Jeff Pachoud
Die Tour-de-France-Etappe nach L’Alpe d’Huez ist in der Zeit nach den großen Dopingfällen (wie hier 2018) zwar langsamer, aber keineswegs weniger attraktiv geworden. - © apa/afp/Pool/Jeff Pachoud

Zu schauen, ob nicht noch ein bisserl mehr geht, liegt in der Natur des Menschen, und das ist auch eines der Grundprinzipien im Sport. Der Sport lebt vom Wettkampf, aber gehen Sie auf die Straße und fragen Sie die Leute, in welcher Zeit der letzte Kitzbühel-Sieger heruntergekommen ist, ich wette, dass Sie keine annähernd richtige Antwort erhalten. Der Durchschnittszuschauer interessiert sich nicht für die Zeiten, da geht es um Gewinnen und Verlieren, das ist die Geschichte, die den Sport ausmacht. Die Aussage, dass die Leute immer neue Rekorde wollen, halte ich für eine Ausrede. Wir haben uns die Mühe gemacht und die Zeiten der Königsetappe der Tour de France nach L’Alpe d’Huez über die Jahre angeschaut. Die Etappe und der Anstieg sind immer gleich, aber die zehn Topzeiten sind alle vor 2009 gefahren worden. Die heute erreichten Zeiten für dieselbe Strecke liegen um 10 bis 15 Prozent darüber. Wenn man nun auch berücksichtigt, dass in den letzten Jahren das Material, die Betreuung und die Ernährung weiter optimiert wurden, dann ist der Leistungsabfall wohl noch größer, aber deswegen ist der Sport nicht unattraktiver geworden. Nach wie vor stehen Millionen begeisterter Zuseher an der Rennstrecke.