Doping ist kein Phänomen der Gegenwart - schon die Olympioniken der Antike nahmen zur Leitungssteigerung etwa Kräutertees und Hormone in Form von Stierhoden zu sich

Mag sein, aber ich habe ein Pro-blem damit, Doping immer nur mit Sport in Verbindung zu bringen. Aktuell kommt es doch in allen Lebensbereichen zu Optimierungsbestrebungen, und es gibt überall Menschen, die versuchen, einen kurzen Weg zum Erfolg zu finden. Das ist im Sport nicht anders, aber Doping ist keine Eigenheit des Sports, das möchte ich noch einmal betonen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Anti-Dopingarbeit?

Ich glaube, dass der Sport gut beraten ist, auch die Kontrollen internationaler Veranstaltungen auszulagern. Der Sport selbst ist heute ein Milliardenunternehmen, daher sollte die Testhoheit nicht bei den Sportverbänden oder Sportorganisationen wie dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) liegen, weil das zu massiven Interessenskonflikten führt. Die WADA ist eine gute Idee, aber so wie es im Sport in den letzten 20 Jahren Weiterentwicklungen gegeben hat, muss das auch für die Welt-Anti-Doping-Agentur gelten. Wir brauchen vor allem klare Richtlinien und transparente Entscheidungsprozesse. Ich glaube auch, dass es Aufgabe des Staates ist, eine na-tionale Anti-Doping-Agentur zu haben, schließlich geht es hier nicht nur um Spitzensport, sondern auch um die Prävention im Breitensport. Aber nehmen Sie einmal die besten Fußballer der Welt, die verdienen viel Geld, ebenso ihre Vereine, die Liga, die UEFA, und der saubere und kon-trollierte Sport hat auch einen Anteil an ihrem Image. Ein kleiner Promilleanteil an den umgesetzten Summen bei Großveranstaltungen wäre ausreichend, um flächendeckend ein faires System zu implementieren. Die meisten österreichischen Sportler ärgern sich übrigens nicht über die Kontrollen, sondern über die Ungleichheit, weil sie alle zwei oder vier Jahre gegen jemanden antreten, der möglicherweise gar nicht überprüft wurde.