Im nassen Dunkel eines Februarabends während der Semesterferien wartet mein ehemaliger Hauptschuldirektor vor meiner ehemaligen Schule auf mich, die Lichter des darin untergebrachten Hallenbades weisen uns den Weg zum Eingang. Vor 46 Jahren wurde ich hier eingeschult und besuchte acht Klassen, und er fing vor 70 Jahren an, hier zu unterrichten. Kinder, wie die Zeit vergeht!

Der Herr Direktor - "Rudolf Stanzel mein Name, 1926 geboren in der Gemeinde Grünburg, getauft in Losenstein, groß geworden in St. Pankraz und alt geworden in Windischgarsten!" - war als 17-Jähriger noch in den Krieg eingezogen worden. Er kam nach Mödling, wo es nur noch einen alten Panzer gab, "der mit Holzgas gefahren ist". Das war 1944, und die Wehrmacht dem Ende nahe. Er besuchte die 6. Klasse Oberstufe einer "Deutschen Heimschule" im Stift Kremsmünster, "kein Latein, kein Griechisch, die Ordensbrüder waren weg, das Stift enteignet, es war eine Nazischule". Der Direktor dort war "furchtbar geistlos", die Professoren aber waren aus ihren Heimatgemeinden strafweise dort zusammengezogen worden, damit sie nicht im Widerstand wirken konnten. Sie standen ihm näher.

Jause mit Bierweckerl

"Weil ich goschert war", wurde der Herr Direktor in spe nicht als Reserveoffiziersbewerber in der Wehrmacht aufgenommen, und als junger Mann war er darüber unglücklich. "Ich verstehe das bis heute nicht, wie man so blöd sein kann!", sagt er. Also meldete er sich zur SS. "Ich habe einfach die Hand gehoben, wie sie gefragt haben, ob das wer machen will. Und meine Spezln sagten alle zu mir: ,Du Trottel, tu die Hand herunter!‘"

Ex-Direktor Rudolf Stanzel. - © Privat
Ex-Direktor Rudolf Stanzel. - © Privat

Aber er schaute hinauf zu seiner Hand, "als wäre sie nicht von mir!". Fünf Wochen später war er in englischer Gefangenschaft und kam nach Sheffield, anschließend nach Banbridge in Nordirland, wo sich die Amerikaner zuvor auf die Landung in der Normandie vorbereitet hatten. Dort tauchte eines Nachts eine V1 durch die Wolkendecke, flog wirr herum und verschwand wieder hinter den Wolken. Und dann? Zwei Drittel seiner "Spezln" fielen in Russland oder kamen erst viele Jahre später gebrochen zurück. "Aber lassen wir das", sagt er mit stockender Stimme.

Reden wir lieber davon, wie er Lehrer wurde. Er kam am 18. Juli 1946 nach Hause, und wäre er schon 18 gewesen, als er einrückte, dann hätten sie ihm "die Matura nachgeschmissen". Aber er musste einen Lehrgang für Heimkehrer besuchen und entschied sich für die Fächer Deutsch, Englisch, Geschichte und Philosophie.