"Es ist ja nicht so, dass das Schreiben ein solcher Lustgewinn ist – das Ergebnis vielleicht, aber die Arbeit als solche ist eine Plage." – Dietmar Grieser. - © Robert Wimmer
"Es ist ja nicht so, dass das Schreiben ein solcher Lustgewinn ist – das Ergebnis vielleicht, aber die Arbeit als solche ist eine Plage." – Dietmar Grieser. - © Robert Wimmer

Ist je ein Text von Ihnen nicht veröffentlicht worden?

Nein, es gibt keine Texte in der Lade. Was übrigens immer ein wichtiger Punkt für mich war: Nichts für die Katz! Es ist ja nicht so, dass das Schreiben ein solcher Lustgewinn ist - das Ergebnis vielleicht, aber die Arbeit als solche ist eine Plage. Deshalb landet die Rohfassung eines Buches, an dem ich gerade arbeite, sofort im Banksafe. An diesem Rohmanuskript feile ich dann, und wenn das Buch erscheint, räume ich den Safe aus und schmeiße das Manuskript an Ort und Stelle in den Papierkorb.

Wie sieht Ihr tägliches Schreibritual aus?

Das hat sich im Alter verändert. Früher bin ich, zum Leidwesen meiner Umgebung, früh aufgestanden und habe mich um sieben Uhr an die Schreibmaschine gesetzt. Dann wurde es acht, jetzt ist es neun, halb zehn oder eben so früh wie möglich, weil ich Angst habe, dass mir der Tag davonrennt. Ich weiß genau, bis 13 Uhr muss ich fertig sein, dann kommt nichts mehr. Am Nachmittag tauge ich nur noch fürs Lesen und für das Erledigen meiner Post.

Apropos Post: Auf Ihrer Homepage ist der lapidare Satz zu lesen, dass sich der Autor über jedes Interesse an seiner Arbeit freut. Was genau reizt Sie am direkten Kontakt mit Ihren Leserinnen und Lesern?

Man schreibt doch total ins Blaue! Man weiß ja nicht, wie das ankommt. Und wenn Post kommt, bemühe ich mich sofort um eine Antwort, das lasse ich nicht liegen.

Diese Briefe schreiben Sie bekanntlich mit der Hand.

Aus reiner Bequemlichkeit, was aber von den Lesern anders gewertet wird, nämlich als besondere Auszeichnung. Ist aber die reine Bequemlichkeit, weil ich am Schreibtisch sitze und mit dem Computer nicht so gut umgehen kann. Die meisten Briefe kommen allerdings per E-Mail, also muss ich dann doch an den Computer. Weil ich gewohnt bin, mit der Schreibmaschine zu schreiben, und offensichtlich sehr hart auf die Tasten klopfe, passt das beim Computer gar nicht. Bei Großbuchstaben sind dann oft gleich vier Buchstaben hintereinander - ich verzweifle! Deshalb habe ich Folgendes erfunden: die per E-Mail versandte Briefpost. Mein handgeschriebener Brief wird eingescannt und geht dann per E-Mail an den Absender.

Sie haben ja eine sehr große Fangemeinde. Haben sich über diese Korrespondenz schon Freundschaften entwickelt?

Wenn ich meinen Freundeskreis betrachte, so ist er stark von der Leserschaft geprägt. Vorwiegend sind es Freundinnen - denn wer liest die Bücher? Frauen. Wer kommt zu Lesungen? 80 Prozent Damen - und da wieder die älteren Jahrgänge, die das Vorwissen und das Interesse an meinen Themen haben. Manche Freundschaften ergaben sich auch über Lesungen.