Mit welchen Gefühlen verfolgen Sie die heutige Flüchtlingsbewegung?

Ich kann es einstufen und denke mir meinen Teil. Aber ich behalte es für mich.

Ihr erstes Buch ist 1973 erschienen, "Von Schloß Gripsholm zum River Kwai", und war auf Anhieb ein großer Erfolg.

Weil das etwas Neues war. Sich auf literarische Spurensuche zu begeben, gab es zwar vereinzelt in Feuilletonbeilagen, aber nicht in Buchform.

Kennen Sie Schreibblockaden?

Ich habe ein bestimmtes Ritual. Dann gehe ich ins Bad und rasiere mich, auch wenn ich schon rasiert bin, irgendwas finde ich da immer, wo ich mich noch rasieren kann, und dann geht es weiter.

Sie feiern dieser Tage Ihren 85. Geburtstag, ist das für Sie ein Thema?

"Wer liest die Bücher? Frauen. Wer kommt zu Lesungen? 80 Prozent Damen." - © Robert Wimmer
"Wer liest die Bücher? Frauen. Wer kommt zu Lesungen? 80 Prozent Damen." - © Robert Wimmer

Für meine Umgebung wohl mehr als für mich. Ich reiße mich nicht um Feierlichkeiten, bin wirklich keine dionysische Natur. Die Zahl 85 ist mir allerdings nicht egal. Ich bin für mein Alter in einem ganz guten Zustand, aber ich bin natürlich nicht beschwerdefrei.

Sind Sie ein gläubiger Mensch?

Ja, habe da aber Defizite. Ich habe jahrzehntelang diesem Druck nachgegeben, man erwartet von mir ein neues Buch. Das habe ich eigentlich nie einbremsen können oder auch wollen. So ist manches in meinem Leben zu kurz gekommen. Ich bin da immer ein bisschen neidisch auf einen Freund, der schon vor mir gegangen ist, das war der Sozialphilosoph Norbert Leser. Er hat oft das Gespräch auf die letzten Dinge gelenkt, die in seinem Fall 100 Prozent geklärt waren. Er war nicht nur ein gläubiger, sondern auch ein sehr eifrig praktizierender Katholik. Das passte mit seiner parteipolitischen Anschauung gar nicht zusammen, war für ihn aber ein lustvoller Widerspruch, den er sogar befördert hat. Ich selbst habe nur mehr wenig persönliche Affinität zur Kirche, komme aber aus einem streng katholischen Elternhaus und war auch Ministrant gewesen. Der erste Artikel von mir - "Die Memoiren eines Messdieners" - wurde übrigens in der Kirchenzeitung meiner Heimatdiözese veröffentlicht.

Welchen zeitgenössischen Autor schätzen Sie besonders?

Den in Paris lebenden Schweizer Autor Paul Nizon. Ich liebe ihn, weil er etwas schreibt, was ich gerne lese - Journale. Seine Werke sammle ich. Dann sammle ich noch etwas, das wird sogar in meinem Testament ein Punkt sein. Das Ganze nennt sich "Dietmar Griesers Bibliothek der Feuilletonisten", da gibt es ein eigenes Exlibris. Das sind diese Autoren des Tages, die eben nicht nur für den Tag geschrieben haben, Alfred Polgar, Peter Altenberg oder mein Liebling, der Berliner Victor Auburtin. Von diesen Feuilletonisten gibt es wahre Perlen, die habe ich leidenschaftlich gesammelt, das fing schon in Münster an.