Nein, und das wäre auch nicht sinnvoll. Wir unterstellen, dass Eltern, die in die Schule kommen, sich für ihr Kind interessieren und vielleicht Sorgen haben, zum Beispiel, dass es den Anschluss verliert oder ungerecht benotet wurde. Aber Eltern einen Stempel aufzudrücken, bringt nichts. Auf jeden Fall müssen wir zukünftige Lehrer generell auf Elterngespräche vorbereiten.

Von Lehrerinnen und Lehrern wird einiges verlangt: Sie sollen Wissen vermitteln, die Schüler fit für die Zukunft machen und neuerdings auch ihre Resilienz fördern. Überfordern wir das Lehrpersonal damit nicht?

Wenn wir von einer Lehrerin erwarten, von der Rolle der fachlichen Expertin in die Rolle einer psychologischen Beraterin oder Erziehungsperson zu wechseln, dann wäre das extrem belastend. Das Wichtigste ist, dass eine Lehrerin oder ein Lehrer sagt: Ich kann über meinen Unterricht vieles bedienen und ich bin auch sensibel, wenn Probleme auftreten, aber ich ziehe eine klare Grenze.

Wie wird die Schule der Zukunft aussehen?

Da bin ich immer vorsichtig. Wenn man sich die Zukunftsfiktionen der Vergangenheit anschaut, wirken die heute ja oft lächerlich. Natürlich wird die Digitalisierung Einzug finden in die Schule. Aber die Schule wird eine große soziale Unternehmung bleiben, die von der menschlichen Interaktion lebt - auch wenn sie digitale Tools nutzt oder in virtuellen Räumen experimentiert.

In Frankreich sind Smartphones an Schulen verboten; selbst in vielen Elite-Schulen im technikverrückten Silicon Valley muss es draußen bleiben. Was halten Sie davon?

Ein generelles Verbot leuchtet mir nicht ein. Es gibt ja auch Konzepte wie "Bring your own device": da bringen die Kinder ihre Smartphones oder Tablets mit und recherchieren dann zu einem Thema. Das würde ich nicht im Vorschulalter machen, aber später soll das durchaus sein - und die Schule den Jugendlichen beibringen, vernünftig mit der Technik umzugehen. Früher wurden Bücher verteufelt, weil sie - wie Goethes "Werther" - zum Selbstmord verleiten könnten . . .

Sie haben selbst drei Kinder und ein Enkelkind. Was wünschen Sie sich für die?

Ich wünsche mir, sie können sich so entwickeln, dass sie stark durchs Leben gehen. Ich wünsche ihnen, dass die Schule ein Ort ist, an dem sie sich entwickeln können - und den sie nicht als bedrohlich empfinden. Ich hoffe, dass sie verstehen, dass die Schule nicht der einzige Platz zum Lernen ist. Ich meine damit nicht, dass man Kinder in alle möglichen Kurse schleppt. Es gibt so viele Lernmöglichkeiten. Ich wünsche ihnen, dass sie ihre Rolle in der Gesellschaft finden, Herausforderungen wahrnehmen und sich engagieren. Das wäre mein positiver Leistungsbegriff: sich einzusetzen für Dinge, die für die Gesellschaft und für einen selbst wichtig sind.