Resonatorgitarren sind Instrumente, die lang anhaltende, hallige Töne abgeben können. Sie lassen sich gedehnten Südsee-Sound entlocken. Die sogenannte Hawaii-Musik ist bis heute musikalisch formuliertes Fernweh. Mit dem Hawaii-Boom in den 30er Jahren griffen auch Blues-Musiker gerne zu diesem Instrument, und es stellte sich auch als passender Begleiter für die Tonarten der Melancholie heraus. Und später dann, in den 90ern, griff auch Gfrerer nach dieser besonderen Zupfgeige. Der heute 52-jährige Musiker holte die Resonatorgitarre nach Europa zurück, woher sie erstaunlicherweise stammt, zumindest in Gestalt ihres Erfinders.

Ein gewisser John Dopyera emigrierte 1908 aus dem damaligen Monarchie-Kronland Slowakei nach Kalifornien und ersann dort gemeinsam mit dem Vaudeville-Musiker George Beauchamp (der später auch den ersten elektrischen Tonabnehmer erfand) dieses Instrument, das seine Töne auf natürliche Weise verstärkt. Die von ihm gegründete National String Instrument Corporation ist bis heute legendär. Die Motive auf Dopyeras Gitarren zeigen mitteleuropäische Ornamentik, bevorzugt Blumen und Blumenkränze. Und selbst so manches Hula-Girl, das auf alten Resonator-Gitarren prangt, erinnert eher an eine Sennerin als eine polynesische Südsee-Schönheit. Der Kreis schloss sich, als Dopyeras Tochter Anne Dopyera West sich auf Facebook als Gferer-Fan zu erkennen gab.

Viele der originalen National-Resonatorgitarren sind mittlerweile verschwunden. Von einer Spezialausgabe, der hölzernen Resonatorgitarre mit drei Klangkörpern, wurden angeblich nur ein Dutzend gebaut. Sie sind allesamt verschollen. "Es ist ein Mystery-Instrument", sagt Gfrerer. Aber es gab diese Gitarre wirklich. Gfrerer sah vor Jahren ein Foto davon, es ließ ihm keine Ruhe. "Ich dachte mir, so eine Gitarre muss ich haben." Da keine zu bekommen war, baute er das Instrument selbst. Mittlerweile hat er schon Dutzende davon gezimmert. Er experimentiert mit Lochformen, Materialen, Metallen in unterschiedlichen Konfigurationen: "Langsam ahne ich, wie guter Klang zustandekommt."

Volks- als Rootsmusik

Er verfügt als einziger Resonatorgitarren-Insider über eine Quelle für das dreischichtig verleimte Holz, das für den Korpus der ursprünglichen, "Triolian" benannten Gitarre, verwendet wurde. Die Resonatoren sind aus Aluminium, er bekommt sie aus den USA und aus China. Für die Herstellung einer dieser Bilderbuchgitarren braucht er zwei, drei Monate.

Es interessiert ihn, wie der Sound funktioniert, wie Klangunterschiede zwischen den Instrumenten zustandekommen, vor allem aber, wie man eine Gitarre so bauen kann, dass sie für Gitarristen zu dem wird, was für Geiger eine Stradivari ist: ein perfektes Instrument. Seine Lieblings-Bühnengitarre hat er schon einige tausend Mal zerlegt und wieder zusammengesetzt. Seine Adaptionen sind bisweilen minimal, er tauscht ein Hölzchen aus, schraubt an winzigsten Variablen des Klangkörpers. Es steht zu vermuten, dass uns gewöhnlichen Hörern noch die gröbsten der hauchfeinen Differenzierungen entgehen, die er aus dem Instrument herauskitzelt. Allerdings kann er auch Gitarren bauen, die sich unüberhörbar voneinander unterscheiden, die "sind dann entweder leise oder bombastisch".