Nikolaus Habjan mit seiner Elfriede-Jelinek-Puppe bei der "Nestroy-Gala". - © apa/Neubauer
Nikolaus Habjan mit seiner Elfriede-Jelinek-Puppe bei der "Nestroy-Gala". - © apa/Neubauer

Mitunter gibt es in Ihren Arbeiten auch Puppen von realen Persönlichkeiten. In Ihrer Inszenierung von "Am Königsweg" lassen Sie Elfriede Jelinek, die Autorin des Stücks, selbst als Puppe in Erscheinung treten.

Im Grunde ist die Puppe ja eine Weiterentwicklung der Maske, die sowohl Schutz wie auch Freiheit bietet. Das hat sich bei den Texten von Elfriede Jelinek sehr angeboten, weil mitten im Satz oft die Perspektive gewechselt wird.

Was sagt Elfriede Jelinek zu ihrer Puppe?

Die Elfriede liebt ihre Puppe, das ist ihr Alter Ego. Mittlerweile gibt es Elfriede Jelinek in meiner Puppensammlung in dreifacher Ausführung. Die erste habe ich für die "Nestroy-Gala" 2013 angefertigt, wo sie für "Schatten - Eurydike sagt" mit dem Autorenpreis ausgezeichnet wurde. Weil man weiß, dass sie den Preis nicht persönlich entgegennehmen kann, war der ursprüngliche Plan, dass man ein Foto von ihr projiziert und einen Text von ihr verliest. Dann machte sie den Vorschlag, es soll doch der Puppenspieler mit einer Puppe kommen. Ich habe ihr geschrieben, dass ich das gerne machen kann, es allerdings gut fände, wenn sie ihre Rede selbst einspricht. Das hat ihr sehr gut gefallen und wir haben das 2017 beim Faust-Preis wiederholt.

In welchen Situationen am Theater sind Puppen Schauspielern gegenüber im Vorteil?

Puppen können etwa den Tod auf der Bühne unheimlich stark thematisieren. Puppen sind ja per se leblose Materie, die durch das Spiel animiert wird. Wenn man aber das Material vom Animator wieder löst, dann ist es wieder tote Materie, das heißt, man kann den Tod unglaublich stark sichtbar machen. Puppen eignen sich meiner Meinung nach auch sehr gut für die Darstellung realer Persönlichkeiten. Wenn ein Schauspieler jemanden doubelt, bleibt er, egal wie gut die Maske ist, immer Schauspieler. Ich habe das zuletzt auch bei "Bohemian Rhapsody" so empfunden. Rami Malek (alias Freddie Mercury, Anm.) macht das unglaublich gut, aber er bleibt trotzdem immer Schauspieler. Die Puppe umgeht dieses Hindernis, weil sie ausschließlich für den Zweck gebaut wurde, diese spezielle Person zu sein.

Wenn in Ihren Regiearbeiten Puppen zum Einsatz kommen, gibt es immer einen guten Grund dafür. Am kommenden Montag ist am Theater an der Wien Premiere von Carl Maria von Webers Oper "Oberon". Sie zeichnen für die Regie verantwortlich. Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie unter die Sängerinnen und Sänger auch Puppen mischen?

Das hat viele Gründe. Ich wage zu behaupten, dass "Oberon" zu den schwierigsten Opern zählt, die man auf die Bühne bringen kann. Das Stück hat viele Tücken. Auf der einen Seite ist es ein Hybrid aus Theater und Oper, also das Gleichgewicht zwischen Sprechtext und Arien ist bei 50 Prozent. Und die Musik selbst ist höchst anspruchsvoll! Die Rollen der Rezia oder des Hüon bringen Sängeranforderungen mit sich, die wahnwitzig schwierig sind. Hinzu kommen die ständigen optischen Szenenwechsel, die dazu führen, dass "Oberon" zumeist konzertant aufgeführt wird.