Habjan mit einer seiner Puppen . . . - © APA/HERBERT PFARRHOFER
Habjan mit einer seiner Puppen . . . - © APA/HERBERT PFARRHOFER

"Oberon" ist Ihre erste Opernregie und gleich zu Beginn so ein schwieriger Brocken . . .

Das habe ich mir auch gedacht. Da lernt man quasi Skifahren auf der Streif! Hinzu kommt, das Li-bretto ist nicht berühmt und es gibt auch einige dramaturgische Lücken. Weber selbst war sehr unglücklich über die Textfassung.

Die Herausforderung ist also, dass es vonseiten des Librettos keine im klassischen Sinne dramatische Entwicklung der einzelnen Handlungsstränge gibt?

Ja, es sind lauter zusammengewürfelte Versatzstücke - und ich musste mir überlegen: Wie kann ich das szenisch auf die Bühne bringen? Ich bin der festen Überzeugung, wenn ich "Oberon" ganz naiv mit dem vollen Libretto und mit libellenflügeligen Elfen gemacht hätte, würden die meisten Leute einschlafen oder schreiend aus dem Saal laufen. Meine Idee war dann, eine Rahmenhandlung zu bauen, die es mir erlaubt, mit diesen dramaturgischen Schwächen umzugehen. Ich habe das Ganze in eine Laboratmosphäre gesetzt, in der ich - zum ersten Mal in meiner Arbeit - Puppen als Requisiten verwende.

Agieren Sie dabei selbst auf der Bühne?

Nein. Die drei Pucks fungieren als Laborassistenten und spielen sämtliche Sprechrollen mit Puppen. Sie erzeugen die Illusion des jeweiligen Szenenwechsels. Im Nu kann ein Ortswechsel stattfinden von Bagdad nach Tunis oder ins mittelalterliche Frankreich.

Wie reagierten die Sängerinnen und Sänger auf die Puppen?

Die mögen das!

Zum ersten Mal wurde diese Inszenierung 2017 am Münchner Prinzregententheater aufgeführt. Gibt es für Wien Adaptionen?

Viele! Ich habe die Inszenierung damals sehr auf die Sängerinnen und Sänger maßgeschneidert. Bis auf Annette Dasch sind jetzt u.a. mit Mauro Peter und Vincent Wolfsteiner einige neue Sänger im Ensemble. Ich habe mit dem bestehenden Konzept noch einmal bei Null angefangen und wir sind gewisse Wege ganz neu gegangen.

Bleibt trotz der bewusst gesetzten Laboratmosphäre das Zauberhafte dieser Oper erhalten?

Der Bühnenzauber ist mir ganz wichtig! Theater hat für mich sehr viel mit Lust zu tun. Ich weiß nicht, woher dieses Zitat stammt, das hat sich mir ins Hirn gebrannt - und ich finde das eine ganz große Weisheit: Nie mit Druck, sondern nur mit Sog kann man etwas erreichen. Ich habe oft ein Problem am Theater oder an der Oper mit Holzhammerkonzepten, wenn einem gewissermaßen etwas aufs Aug gedrückt wird. Ich habe es viel lieber, wenn man durch etwas Lustvolles reingezogen wird, wenn man wissen will, wie es weitergeht, wenn man durch schöne Eindrücke ins Geschehen hineingezogen wird. Wer jetzt denkt, "Oberon" wird sehr kahl und bleibt in einer eigenartigen kargen Laboratmosphäre, der wird sich täuschen. Zum Glück!