Nikolaus Habjan - © Wimmer
Nikolaus Habjan - © Wimmer

Abgesehen von dieser Opernregie sind Ihre Arbeiten generell immer hochmusikalisch angelegt. Auf Ihrer Homepage ist zu lesen, dass Ihre musikalische Früherziehung bereits mit fünf Jahren begann, von sechs bis 19 haben Sie dann Violinunterricht genommen.

Die Geige hat mir sehr geholfen, ein musikalisches Verständnis aufzubauen. Ich bin ein Perfektionist, wenn ich etwas mache, dann möchte ich das gut machen. Irgendwann habe ich dann aber gemerkt, dass ich mit der Geige an heftige Grenzen stoße. Ich stellte mir auch die Frage, was meine Optionen mit der Geige sind? Für einen Sologeiger fehlen mir definitiv das Talent, die Disziplin und die Ausdauer. Orchestermusiker hat mich nie gereizt, weil ich mir immer gedacht habe, das ist ja schrecklich, da sitzt man mit dem Rücken zur Bühne in einem Loch, dabei will ich ja wissen, was auf der Bühne passiert! Was mich auch ein bisschen erschreckt, ist, dass viele Orchestermusiker nicht von Vorstellungen sprechen, sondern von Diensten. Das ist für mich ein gruseliges Symptom, ich möchte nie in meinem Leben Dienst machen, ich möchte mit Freude arbeiten.

Wann haben Sie entdeckt, dass Sie für Ihre eigenen musikalischen Darbietungen gar kein Instrument benötigen?

Ich bin einfach draufgekommen, dass ich alles, was ich auf der Geige halbwegs gut spielen kann, viel besser pfeifen kann. Ich glaube nicht, dass man eine Freude hätte, mir auf der Geige zuzuhören, wenn ich Konzerte von Bach oder Vivaldi spiele - wenn ich es pfeife, geht das! Zu Silvester wird es im Wiener Konzerthaus übrigens eine große Pfeifgala geben.

Im Herbst letzten Jahres hatten Sie als Kunstpfeifer gemeinsam mit der Pianistin Ines Schüttengruber einen sehr erfolgreichen Auftritt im Großen Saal der Hamburger Elbphilharmonie. Welches Repertoire wurde da gepfiffen?

Opernarien von Rossini über Verdi bis hin zu Mozart. Koloraturarien mag ich am liebsten.

Zuletzt hagelte es ja heftige Kritik rund um die akustischen Gegebenheiten der Elbphilharmonie. Wie verschafft man sich dort als Kunstpfeifer Gehör?

Das war verrückt! Als ich zum ersten Mal zur Probe in den wirklich bombastischen Saal kam, stand da ein riesiger Konzertflügel ohne Deckel. Ich dachte mir: Da komme ich nie drüber, ich brauche ein Microboard. Aber der Tontechniker meinte: Probieren Sie einmal! Ich begann zu pfeifen und hatte das Gefühl, ich stehe auf einem Schalltrichter! Es war unglaublich! Ich konnte so leise pfeifen wie nur möglich, und meine Pianistin so laut spielen, wie sie mochte, mein Ton war trotzdem immer optimal hörbar. Das Klavier und mein Pfeifen haben sich nicht überlagert oder gemischt. Ich denke, das ist aber genau das Problem der Elbphilharmonie. Kammermusik klingt hervorragend, große Orchesterwerke sind dort vermutlich aber weniger gut aufgehoben, weil sich der Klang nicht zu einem vollen Orchesterklang mischt. Das Seitenumblättern ist genauso präsent wie ein Cello.