Noch einmal zurück zu Ihrer sehr früh entfachten Musikleidenschaft. "Die Zauberflöte" dürfte hier ein Schlüsselerlebnis darstellen . . .

Ja, mit vier Jahren habe ich die "Zauberflöte" zum ersten Mal in der Oper Graz gesehen - und dann mit fünf Jahren im Salzburger Marionettentheater. Ab diesem Zeitpunkt hat sich alles irgendwie verselbstständigt. Am Gymnasium war mir bereits mit zwölf Jahren klar, ich werde Opernregisseur, keine Ahnung, warum ich da so sicher war.

Damals waren Puppen gegenüber der Oper noch eher im Hintergrund?

Mein Traum war immer, Oper mit Puppen zu machen, aber da man in Österreich Puppentheater nicht studieren kann, habe ich in Wien an der Universität für Musik und darstellende Kunst Musikregie studiert und parallel dazu angefangen an der Grazer Oper zu hospitieren. Dass dann plötzlich die Sache mit den Puppen ins Rollen kam, habe ich Tatjana Gürbaca zu verdanken. Sie hat damals in Mainz gerade "Die verkaufte Braut" inszeniert. Sie rief mich an und sagte: Ich sehe die Rolle des Wenzel mit einer deiner Puppen!

Ich war damals gerade kurz vor Abschluss meiner Diplominszenierung, bin für eine Woche nach Mainz gefahren und wir haben diese Szene mit Wenzel erarbeitet. Es hat auf Anhieb irrsinnig gut funktioniert. Sie ist eine großartige Regisseurin und hat mich damals sehr motiviert, diesen Berufsweg einzuschlagen.

Peter Brook hat sinngemäß einmal den Ausspruch geprägt, dass ein Schauspieler auf der Bühne oft dann seinen stärksten Moment hat, wenn er nichts tut. Wann hat eine Puppe ihren stärksten Moment?

Wenn die Puppe 100 Prozent Projektionsfläche ist. Wenn das Gesicht der Puppe gut modelliert ist - und dazu gehört, dass sie einen Gesichtsausdruck hat, der nicht eindeutig festgelegt werden kann - und wenn es gelingt, dass dem Zuseher eine Ahnung vom Charakter dieser Puppe vermittelt wird. Wenn diese Puppe einen dann anschaut, hat man das Gefühl, sie blickt direkt in deine Seele. Alles, was man selbst in sich findet, wird auf die Puppe projiziert und berührt einen tief im Herzen, weil es von einem selbst kommt.