"Wiener Zeitung": Herr Geyrhofer, Sie kommen gerade von einer 24-Stunden-Schicht. Wie geht das: als Polizist nebenher Bücher schreiben?

Alexander Geyrhofer: Ich kriege das alles gut unter einen Hut, weil ich eine sehr verständnisvolle Frau habe und weil ich im Paradies wohne - am Attersee. Und meine Freizeit investiere ich ins Bücherschreiben. Ich bin seit 1985 Gendarm, habe aber seit 2000 auch Präventionsarbeit gemacht, das hat mich einfach interessiert. Später dann Cybercrime-Prävention im Landeskriminalamt. Diese ganzen Erfahrungen wollte ich in ein Buch packen. Mein erstes Buch hieß "PädagogIn - ein harter Job". Ich finde, man hat die Lehrerinnen und Lehrer mit den aktuellen Entwicklungen komplett alleine gelassen. Es gibt zum Beispiel keine Ausbildungen zum Thema Traumapädagogik, dabei haben wir mit den geflüchteten Kindern aus den Kriegsgebieten viele traumatisierte Kinder. Als Junglehrer lernt man diese Dinge einfach nicht. Das war der Anlass für mein erstes Buch. Mein zweites Buch nun, "Kinder sicher im Internet", habe ich geschrieben, weil meiner Erfahrung nach Lehrer und Eltern total überrascht waren, welche Gefahren im Internet lauern.

Wir haben uns für dieses Interview online verabredet, ohne uns vorher begegnet zu sein. War das gefährlich?

Treffen darf man sich schon, das ist kein Problem, aber man muss vorsichtig sein. Jeder kann im Internet seine Identität verschleiern und sich als jemand anderer ausgeben. Im Kontakt mit Kindern geben sich sehr viele Pädophile als Kinder oder Jugendliche aus und erschleichen so das Vertrauen. Wir haben es im Selbstversuch getestet und sind in einem Kinderspiel mit Chatfunktion eingestiegen. Wir haben uns als zwölfjähriges Mädchen mit dem Nickname Sweetrose12 ausgegeben. Es hat nur wenige Minuten gedauert, da hatten wir Kontakt zu Pädophilen.

Kinder und Jugendliche müssen sehr vorsichtig sein, mit wem sie sich treffen - und unter welchen Voraussetzungen. Als einfache Regel gelten die drei L - Licht, Lärm und Leute. Wo es hell ist und viele Leute unterwegs sind, kann ich mich am ehesten mit einem Unbekannten treffen. Und natürlich sollte ich einen Erwachsenen mitnehmen.

Sie haben selbst vier Kinder. Welche Internet-Regeln gelten in Ihrer Familie?

Bei meinen älteren, in den Achtzigern geborenen Kindern war noch eher der Gameboy und dessen Nutzung das Thema. Mein jüngster Sohn, der heuer 15 wird, muss abends sein Smartphone abliefern, weil ich der Meinung bin, dass es im Schlafraum nichts verloren hat. Das gilt übrigens auch für uns Erwachsene. Wenn ich mir vorstelle, dass ein Kind Mobbingopfer ist und auch nachts diese Nachrichten liest, dann hat es gar keine Ruhephasen mehr.