Unser Gehirn verarbeitet vieles nicht, was wir wahrnehmen. Der Computer hingegen ist immer auf möglichst umfangreiche Datenmengen ausgerichtet. Kommt es da nicht zu einem Konflikt zwischen uns und den Computern?

Das Problem haben wir alle jeden Tag, wenn wir im Internet unterwegs sind. Überall, wo wir es mit Big Data zu tun haben, ist das Herausfiltern des wirklich Relevanten die eigentliche Herausforderung. Aber auch da werden die Algorithmen Schritt für Schritt besser. Ich glaube, wir leben in einer extrem spannenden Zeit. Noch nie in der Geschichte der Menschheit ist so viel Wissen akkumuliert worden, und es deutet alles darauf hin, dass die Geschwindigkeit weiter zunimmt. Wir wissen alle nicht, wohin das führen wird. Was mich in diesem Zusammenhang eher unglücklich stimmt, ist die Fundamentalopposition gegenüber neuen Entwicklungen. Es gilt, Wege zu finden, zu lernen, mit den neuen Rahmenbedingungen umzugehen.

Kann die Wissenschaft dabei helfen?

Die Wissenschaft ist durch die Digitalisierung sehr viel enger mit der Gesellschaft vernetzt als früher. Forschungsresultate können viel direkter kommuniziert werden, als dies noch vor 20, 30 Jahren der Fall war. Das gibt natürlich die Hoffnung, dass wissenschaftliche Erkenntnis sich in der Gesellschaft unmittelbarer manifestiert als in der Vergangenheit. Die Krise, in der sich unsere Wissensgesellschaft zu befinden glaubt, kann man auch als eine nie dagewesene Möglichkeit zur Weiterentwicklung sehen.

Aber wer kann eigentlich in der riesigen Informationsfülle die Richtigkeit wissenschaftlicher Informationen gewährleisten?

Da sehe ich eine wichtige Aufgabe für Wissensinstitutionen wie die Akademie der Wissenschaften. Wir brauchen Verfahren, die das Validieren von Informationen schneller, wirksamer und überzeugender machen, als dies heute der Fall ist. Das Phänomen der Fake News hat in der letzten Zeit eine bedrohliche Qualität angenommen. Es ist auch Aufgabe der Wissenschaft, sich zu bemühen, informierend, aufklärend auf die Gesellschaft einzuwirken. Dies kann sie allerdings nicht alleine bewerkstelligen. Natürlich muss die Gesellschaft im Ganzen an Mechanismen arbeiten, wie mit manchen Formen der Irrationalität in den neuen Medien umzugehen ist.

Zurzeit werden die frühen Jahrgänge der "Wiener Zeitung" in einem Projekt der Akademie digital aufgearbeitet. Was reizt Sie an unserem alten Blatt?

Was ich faszinierend finde, ist die große Breite an geisteswissenschaftlichen Disziplinen, für die unser Wien[n]erisches Diarium digital von Interesse ist. Die Zeitung dokumentiert seit 1703 zahlreiche historische Ereignisse und zeigt die Entwicklung des Journalismus und die Veränderungen von Sprache. Über den akademischen Raum hinaus ist unser Projekt auch für Einrichtungen wie Schulen wichtig. Wir gehen auf eine Zeit zu, in der junge Leute keine Papierzeitungen mehr kennen werden: Durch unser Projekt wird eine historische Zeitung auch weiterhin und für alle Interessierten nutzbar bleiben.