"Meine Umwelt reagiert auf meine Behinderung – und meine Kinder kriegen diese Reaktion ab. Wenn andere Kinder schauen oder lachen, dann beginnen meine Kinder, mich zu verteidigen. Ich versuche dann, das aufzulösen und sage: Die schauen, weil ich so schön bin . . ." - Georg Fraberger. - © Stanislav Kogiku
"Meine Umwelt reagiert auf meine Behinderung – und meine Kinder kriegen diese Reaktion ab. Wenn andere Kinder schauen oder lachen, dann beginnen meine Kinder, mich zu verteidigen. Ich versuche dann, das aufzulösen und sage: Die schauen, weil ich so schön bin . . ." - Georg Fraberger. - © Stanislav Kogiku

Kennen Sie Neid oder haben Sie ihn besiegt?

Ich denke, ich habe ihn besiegt. Als Psychologe hilft es mir natürlich, die Mechanik der Gefühle zu erkennen. Was dem Neid vorausgeht, ist alles Nicht-Gelebte. Jeder Mangel macht uns körperliche Schmerzen. Der Klassiker: Eine Frau wird vierzig und bildet sich plötzlich ein, Kinder würden das Leben versüßen. Jedes Mal, wenn eine schwangere Frau vorbeigeht, hat sie Schmerzen, die in Neid umgewandelt werden - und sie denkt: warum sie und nicht ich. Da kann ich recht leicht antworten: Man kriegt nicht ungestraft Kinder. (Lacht.) Aber viel schwieriger wird es, wenn jemand schlanker ist, oder ein tolleres Haus hat oder ein schnelleres Auto. Das alles macht uns Schmerzen.

Wie haben Sie den Neid besiegt?

Ich versuche mich für den Anderen zu freuen. Ich selbst träume von einem leisen Sportwagen, habe aber selbst eine "Waschmaschine" - ein lautes, altes Auto. Deshalb sage ich mir: Ich möchte mit meinem Auto genauso elegant fahren, als säße ich in einem dieser tollen Schlitten aus der Werbung. Der Fahrstil ist der gleiche. Das hilft mir. Ob ich viel Geld habe oder wenig, bewegen muss ich mich gleich, und auch meine Haltung muss die gleiche sein. Schlimmstenfalls bin ich ein reicher Mann ohne Geld.

In Ihrem Buch schreiben Sie: Wir dürfen die Seele nicht vergessen. Was meinen Sie damit?

Es ist wichtig zu unterscheiden zwischen einem Gefühl und dem menschlichen Kern - oder der menschlichen Seele. Wenn man von einem Menschen berührt wird, den man liebt, dann trifft das die Seele. Aber nicht jeder hat das Glück, einen Seelenverwandten zu heiraten. Manche heiraten den, den sie lieben, oder dessen Körper sie lieben, oder dessen Geld oder Lebenswandel - auch das ist Liebe. Aber wenn man auch noch die Seele des Menschen liebt, ist das schon etwas Besonderes. Die Seele ist das, was den Menschen ausmacht, egal, was er hat. Es geht auch um die Akzeptanz des Körpers. Meine kleinste Tochter ist jetzt eineinhalb - und alle fragen: "Ist sie schon sauber?" Kein Mensch wird sauber. Im Spital kriegt man das mit: Alle stinken. Es machen nur nicht mehr alle in die Windel. Wir glauben, wir sind sauber. Und wenn wir dann plötzlich älter werden oder stinken, verlieren wir die Liebe für uns. Wir müssen uns bewusst machen: Es gibt ein paar Jahre im Leben, in denen wir nicht in die Windel machen. Und dafür ist die Seele wichtig. Ich bin auch noch der, der ich bin, auch wenn ich nicht mehr so rieche wie früher. Man sollte also nicht nur an die Liebe denken - und daran, was mich liebenswert macht, sondern auch an die Seele.