Sie haben einmal erzählt, Sie hätten "nur halb gelogen", als Sie Ihre Frau im Internet kennengelernt haben. Wie war das?

Das Internet bietet uns die tolle Möglichkeit, dass ich mich dort so darstellen kann, wie ich möchte. Dort gibt es keine kleinen, dicken, stinkenden Leute. (Lacht.) Alle sind groß, schlank, sportlich und wohlriechend. Ich habe dann die Körpermaße meines Bruders angegeben. Es ist aber gut ausgegangen. Ich habe mich mit meiner Frau erst einmal zwei Stunden lang über Skype unterhalten. Als es dann um ein Treffen ging, bin ich mit dem Rollstuhl zurückgefahren, sodass sie mich ganz gesehen hat. Es war ihr egal. Zum Glück hat meine Frau nicht gelogen. Sie ist blond, blauäugig und hübsch. Aber ich würde sie auch lieben, wenn sie gelogen hätte.

Ihren Job haben Sie selbst geschaffen.

Damals - 2002 - gab es am ganzen AKH nur acht Psychologen. Ich habe dann den Leiter der Orthopädie, Professor Rainer Kotz, überzeugt, dass es eine psychologische Betreuung für Patienten braucht, die zum Beispiel eine Amputation bekommen. Damals habe ich mich schon gesorgt, wie man mit mir und meiner Behinderung umgehen wird. Ich habe dann mit einer sehr hübschen Kollegin geredet, dich sich gefragt hat, ob die Männer nur wegen ihrem guten Aussehen mit ihr reden. Es hat mich getröstet, dass sie auch unter einem Vorurteil leidet, so wie ich. Bei ihr war es die Schönheit, bei mir die Behinderung.

Ihr Chef kannte Sie aber bereits.

Professor Kotz war der erste Mensch, der mich damals nach meiner Geburt gesehen hat. Er war es, der entschieden hat, dass ich nicht in ein Heim muss, sondern, dass meine Eltern mich aufziehen dürfen. Das war damals nicht selbstverständlich. Ich habe noch den Brief, in dem er an das Jugendamt schreibt, meine Eltern seien imstande, mich zu ernähren und aufzuziehen. Mein Vater wurde damals sogar gefragt, ob man meiner Mutter sagen soll, ich sei gestorben. Als ich drei Jahre alt war, pendelte meine Mutter mit mir in eine Contergan-Klinik in Heidelberg zur Behandlung, obwohl meine Behinderung nicht auf Contergan zurückzuführen ist. Sie ist eine Laune der Natur. Meine Diplomarbeit, für die ich Patienten in Heidelberg und Wien gesprochen habe, hat mich dann mit 25 Jahren durch einen Zufall wieder zu Professor Kotz geführt.

Sie haben einmal gesagt, Ihre Eltern haben Sie genau gleich erzogen wie Ihre Brüder.

Ja, und das haben sie auch geschafft. Für meine Mutter war es sicherlich anstrengend, weil ich anfangs immer auf dem Boden herumgekrochen bin; meinen Rollstuhl habe ich erst später bekommen. Ich war immer der Dreckigste, hatte immer zerfetzte Kleidung. Ich hatte oft Ideen und dann haben wir Brüder uns gegenseitig geholfen, sie auszuführen.