Georg Fraberger im Gespräch mit "WZ"-Mitarbeiterin Saskia Blatakes. - © Stanislav Kogiku
Georg Fraberger im Gespräch mit "WZ"-Mitarbeiterin Saskia Blatakes. - © Stanislav Kogiku

Mit meiner Assistentin kann ich zwar auch streiten, aber die wird irgendwann sagen, danke, Georg, tschüss. Weil unsere Beziehung durch ein Nehmen und Geben von Geld definiert ist und nicht das Nehmen und Geben von Liebe.

In Ihrem Buch klingt durch, dass Menschen heute in der Liebe zu früh aufgeben.

Ja. Weil sie nur Harmonie suchen, Freude, Anerkennung und Spaß.

Woran liegt das? Sind wir zu egoistisch?

Wir leben in einer Zeit, wo wir nicht nur darüber nachdenken, was wir tun müssen. Sondern wir haben die Freiheit zu überlegen, was wir tun wollen.

Wir gehen in die Arbeit, um Geld zu verdienen. Und dann kommen wir heim und denken, meine Frau kann eigentlich froh sein, dass ich nichts an ihr verdiene. Manche sehen dann Nähe und Intimität als Gegenleistung nach dem Motto: Ich komme nach Hause und will jetzt auch meinen Spaß. So zu denken ist katastrophal. Entweder man hat immer Spaß, auch wenn man miteinander streitet. Oder man hat nie Spaß. Aber dann muss man ihn sich woanders holen.

Ist der Kapitalismus schuld, dass viele berechnend sind in der Liebe?

Nein, ich glaube, das gab es früher noch viel mehr. Wir heiraten ja erst seit fünfzig Jahren aufgrund eines Gefühls. Ein Gefühl wie Liebe ist ja eigentlich das instabilste überhaupt. Es ist wichtig, nach einem Sinn zu streben. Und sich zu überlegen, ob das Gefühl die Bezahlung ist oder der Sinn. Man kann ja gar nicht sinnvoll erklären, warum man heiratet.

In Ihrem Buch schreiben Sie, dass viele Menschen in ihrem Umfeld die Liebe gefunden haben und sich trotzdem stressen. Warum?

Weil es immer ein "Wenn, dann" gibt. Viele glauben, sie müssten sich die Liebe erst erarbeiten. Oder sie müssten der Partnerin oder dem Partner etwas bieten. Und dann kommt man unter Druck. Dann fängt der Stress an. Wobei ich Stress als einen Konflikt definiere, den man mit einem anderen Menschen hat. Wenn ich nur die Wünsche meiner Frau erfüllen will, bekomme ich mit allen anderen Menschen Stress, die mir helfen sollen, die Wünsche meiner Frau zu erfüllen.

Wenn ich einen Garten habe in einem Ort, wo alle ihre Wiese wöchentlich mähen, ich aber nicht, dann brauche ich einen guten Grund, um keinen Stress zu haben. Ich habe diesen gefunden: Ich möchte nicht, dass die Nachbarn neidisch werden. Deshalb schaut mein Garten auch dementsprechend aus. Aber nicht jeder kann sich darauf einlassen. Wenn mir beim Autofahren ein schwarzer Sportwagen mit drei Männern im Anzug knapp auffährt, dann sage ich liebevoll: Die haben bestimmt drei Frauen im Spital und müssen mich überholen, damit sie rechtzeitig bei ihnen sind. Ob das richtig ist, will ich gar nicht wissen. Aber es hilft mir, mit diesen Männern keine Beziehung einzugehen, bei der ich hupe, sie anblinke oder ihnen den Mittelfinger zeige - sofern ich einen habe.