"Wiener Zeitung": Frau Doktor Klaar, wenn man zu Ihrer Person recherchiert, liest man immer wieder die Bezeichnung "Österreichs gefürchtetste Scheidungsanwältin". Nervt Sie das oder sehen Sie das eher als Kompliment?

Helene Klaar: Es kommt mir ein bisschen lächerlich vor, aber es ist letztlich sicher hilfreich, also wehre ich mich nicht mehr dagegen. Und wenn sich die Leute gerne vor mir fürchten, dann sollen sie sich fürchten.

Wie würden Sie sich selbst charakterisieren?

Von der Veranlagung her war ich als Kind eher ein wohlerzogenes, schüchternes Mäderl, bin allerdings für die 50er Jahre bemerkenswert nicht-autoritär erzogen worden. Ich habe einen starken Gerechtigkeitssinn und bin von Kindheit an angeleitet worden, meine Meinung zu sagen. Daher kann ich, wenn mir Unrecht aufstößt, schwer den Mund halten und begehre dagegen auf. Dass man auf Unrecht hinweist, das insbesondere Frauen widerfährt, genügt offenbar, damit man als streitbare, männerfressende Emanze definiert wird.

Sie vertreten ja in der Mehrzahl Frauen.

Aber nicht ausschließlich.

Wie hat sich das ergeben?

"Ich merke schon manchmal, dass die Klienten darauf gieren, zu erzählen, wann und wo sie ihren Ehepartner in einer verfänglichen Situation erwischt haben, aber das interessiert mich am allerwenigsten. . .." - © Robert Wimmer
"Ich merke schon manchmal, dass die Klienten darauf gieren, zu erzählen, wann und wo sie ihren Ehepartner in einer verfänglichen Situation erwischt haben, aber das interessiert mich am allerwenigsten. . .." - © Robert Wimmer

Nachdem ich die Anwaltsprüfung absolviert hatte, habe ich mich in der ehemaligen Rechtsanwaltskanzlei meines Vaters niedergelassen, die zum damaligen Zeitpunkt schon zwei Jahre leer stand. Mein Vater war relativ alt und musste aus Gesundheitsgründen die Berufstätigkeit aufgeben. Seine Klienten waren auch eher in seinem Alter, das heißt, bei einigen von ihnen habe ich noch die Verlassenschaft durchführen dürfen und dann habe ich eben geschaut, wer zu mir kommt. Und das waren vor allem arme Frauen, denen der Mann davon ist und nichts für die Kinder zahlen wollte.

Das war Ende der 1970er Jahre?

Ja. Damals war die Familienrechtsreform ja noch relativ neu und wirklich ein Meilenstein und großer Fortschritt, aber nicht so, dass alle Probleme für die Frauen gelöst gewesen wären. Deshalb habe ich 1982 von Johanna Dohnal den Auftrag bekommen, ein Buch zu verfassen, das Frauen eine realistische Handlungsanleitung gibt, was sie sich trauen dürfen, wenn eine Scheidung im Raum steht, und was leider nicht geht. Seither habe ich den Ruf, eine Expertin des Scheidungsrechts zu sein.

2004 haben Sie auf Anregung des Linde-Verlages einen "Scheidungsratgeber für Frauen" herausgebracht, der mittlerweile in der 3. Auflage ist. Wäre ein "Scheidungsratgeber für Männer" ein gänzlich anderes Buch?

Natürlich, eine Scheidung ist eine antagonistische Situation, in der meistens das, was für den einen gut ist, für den anderen schlecht ist. Die Basissituation ist: Zwei Menschen streiten um dieselbe Wohnung, dasselbe Haus, dasselbe Auto, dasselbe Einkommen und dieselben Kinder. Da sind die Interessen und auch die Maßnahmen zu ihrer Durchsetzung entgegengesetzt.