Woran liegt das?

Vor allem an den unerschwinglichen Wohnungs- und Mietpreisen, aber auch am unzulänglichen Eigeneinkommen vieler Frauen.

Da sind wir bei Ihrem Leitsatz: "Besser eine Ehe ohne Liebe als eine Scheidung ohne Geld" . . .

Helene Klar im Gespräch mit "WZ"-Mitarbeiterin Christine Dobretsberger. - © Robert Wimmer
Helene Klar im Gespräch mit "WZ"-Mitarbeiterin Christine Dobretsberger. - © Robert Wimmer

Niemand will sich scheiden lassen, um nachher in Armut zu leben. Dieses Szenario stellen sich die Frauen oft zu wenig vor. Natürlich bin ich dann die Spaßbremse, wenn ich sage: Wie soll sich das nach der Scheidung für Sie ausgehen?

Was halten Sie angesichts der doch ziemlich hohen Scheidungsrate von Eheverträgen, die vor der Hochzeit abgeschlossen werden?

Auch ein Reizwort für mich! Zunächst muss man sich fragen, was soll durch den Ehevertrag besser werden? Wir haben ja ein Gesetz, das nicht grundsätzlich unvernünftig ist. Die Frage ist: Wer will nun einen Ehevertrag? In der Regel derjenige, der befürchten muss, dass er auf Grund des Gesetzes zu Leistungen verpflichtet wäre, die er nicht erbringen will. Man kann mit derlei Vereinbarungen zum Beispiel die Unterhaltsansprüche sehr deutlich dämpfen. Aber auf wessen Kosten geht das letztlich?

Gibt es nicht auch Eheverträge, die für beide Seiten sinnvoll sind?

Einen Sinn macht es bei zweiten Ehen, also bei Leuten, die schon unabhängig voneinander Vermögen erworben haben, beide Kinder haben und jetzt Überschneidungen und Vermischungen möglichst vermeiden wollen.

Wie sieht die Zusammenarbeit von Anwalt und Klient prinzipiell aus? Was ist in dieser Beziehungskonstellation das Wichtigste?

Man muss darauf vertrauen können, dass man von seinem Klienten wahrheitsgemäß informiert wird. Eine ältere Kollegin, von der ich viel gelernt habe, hat den Satz geprägt: "Uns sollen die Leute die Wahrheit sagen, die Schmähs machen wir" - soll heißen: Wie man den Sachverhalt am besten darstellt, entscheidet der Anwalt. Wenn mich aber jemand falsch oder unvollständig informiert, das nehme ich sehr übel. Vom Gegenvertreter zu erfahren, dass eigentlich alles ganz anders war, habe ich nicht gern.

Gibt es unter Anwälten eine Art Verhaltenskodex?

Im Prinzip ja, Anwälte sind zur "Kollegialität" verpflichtet. Dass Anwälte untereinander spinnefeind sind, ist in der Regel nicht der Fall.

Was ist im Vorfeld einer Scheidung der größte Fehler, den man machen kann?

Wenn man sich mit dem Noch-Ehepartner ohne Beratung etwas ausmacht.

Was ist Ihrer Erfahrung nach der häufigste Scheidungsgrund?

Das zweite Kind, so viel Benachteiligung hält die männliche Psyche offenbar nicht aus.

Sie haben selbst zwei Kinder, sind seit über 40 Jahren verheiratet . . .