"Wiener Zeitung": Wie lässt sich die Imago-Therapie für interessierte Laien in wenigen Worten beschreiben?

Harville Hendrix: Bei Imago geht es, wie der Name bereits sagt, um ein Bild, nämlich jenes Bild, das sich ein Kind im Laufe seines Heranwachsens von seinen primären Bezugspersonen macht. Dieses Bild ist im Erwachsenenalter zu einer Erinnerung geworden, die ihrerseits zur Vorlage für die spätere Partnerwahl wird. Normalerweise müssen wir das gar nicht mehr erklären. Imago ist bestimmt schon in mehr als 15 bis 20 Millionen Haushalten zum Alltagsbegriff geworden.

Die "Imago"-Begründer im Gespräch mit "Wiener Zeitung"-Mitarbeiterin Dagmar Weidinger. - © Markus Ladstaetter
Die "Imago"-Begründer im Gespräch mit "Wiener Zeitung"-Mitarbeiterin Dagmar Weidinger. - © Markus Ladstaetter

Sie entwickelten die Imago-Methode gemeinsam mit Ihrer Frau bereits in den späten 1970er Jahren, Oprah Winfrey hat diese bekannt gemacht (Harville Hendrix war 17 Mal zu Gast in der "Oprah Winfrey Show", Anm.). Was weniger bekannt ist, sind die Grundlagen Ihrer Theorie - können Sie darüber etwas sagen?

Hendrix: Ich beendete mein Theologie- und Psychologie-Stu- dium an der Universität von Chicago mit einer Dissertation zur Funktion von Angst in den Theorien von Sigmund Freud und Paul Tillich. Vor allem Freud mit seiner These des Wiederholungszwangs war für mich ein großer Mentor. Die Tatsache, dass man sowohl Erlebnisse mit dem Vater als auch der Mutter auf den eigenen Partner projiziert, habe ich von ihm gelernt - und auch am eigenen Leib erlebt.

Sie sind also auch Psychoanalytiker? Mir scheint, Sie halten dies in Ihrer Biographie gut versteckt: Man liest nirgendwo darüber.

Hendrix: Ja, ich war zwölf Jahre lang in Analyse, und es half überhaupt nichts.

Helen LaKelly Hunt: Und ich war viele Jahre in Jungianischer Analyse, eine einzige Zeitverschwendung - alles Schrott!

Hendrix: Nein, so kann man das nicht sagen . . .

Warum ziehen Sie eine derart negative Bilanz Ihrer Analysen?

LaKelly Hunt: Ich bezahlte viel Geld, und ich redete und redete, aber zu Hause half mir all das Reden nichts. Was ich lernen hätte müssen: wie ich auf eine verantwortungsvolle und freundliche Art meine Wünsche ausdrücken kann. Stattdessen kam ich nach Hause, war frustriert und forderte die Dinge so aggressiv ein, dass sich Harville vor mir verschloss. Ich glaube, die Therapeutin hatte keine Ahnung, wie sie mir helfen sollte. Sie schaffte es einfach nicht, mich dazu anzuleiten, eine gute Beziehung mit Harville zu führen.

Das klingt nach keiner sehr geglückten Beziehung zu Ihrer Analytikerin. Mir kommt es so vor, als hätten Sie sich nicht wirklich verstanden gefühlt . . .

LaKelly Hunt:Ja, da gab es ein grundlegendes Missverständnis. Die Therapeutin wollte eine gute Beziehung zu mir, ich wollte immer nur eine gute Beziehung zu Harville. Daher braucht es die Imago-Therapie - nicht um eine gute Beziehung zum Therapeuten herzustellen, sondern für eine gute Beziehung zum Partner! Dieser Mann ist ein Genie (zeigt auf Harville) - er hat mich geheilt.