Hendrix (schmunzelt): Ich versuche schon lange, sie davon abzubringen, das zu sagen. Ich habe einfach nur lange studiert.

LaKelly Hunt: Viele Leute mit Eheproblemen gingen früher einzeln zu ihren Therapeuten, um sich selbst zu heilen.

Die Tatsache, dass man sowohl Erlebnisse mit dem Vater als auch der Mutter auf den eigenen Partner projiziert, habe ich von Freud gelernt – und auch am eigenen Leib erlebt." - © Markus Ladstaetter
Die Tatsache, dass man sowohl Erlebnisse mit dem Vater als auch der Mutter auf den eigenen Partner projiziert, habe ich von Freud gelernt – und auch am eigenen Leib erlebt." - © Markus Ladstaetter

Hendrix: Imago-Therapeuten sprechen nie nur von einem der beiden; sie wissen, dass man die Beziehung behandeln muss. Bei Imago geht es immer um die Heilung der Beziehung.

"Heilung", wie Sie es nennen, soll vor allem durch den sogenannten "Imago-Dialog" passieren. Worum handelt es sich dabei bzw. wie sind Sie darauf gestoßen?

Hendrix: Meine ersten Paartherapien verliefen sehr unbefriedend. Ich regulierte die Emotionen der Paare während der Stunde, doch zu Hause war es dann wie zuvor; es wurde gestritten, ohne dass sich irgendeine Entwicklung aus den Auseinandersetzungen ergeben hätte. An diesem Punkt erfand Helen mehr oder weniger zufällig das Kernstück von Imago - den Dialog. Bereits zu Beginn unseres Kennenlernens stritten wir häufig; ich glaube, es begann schon bei unserem ersten Date. (Zu Helen:) Ich weiß eigentlich gar nicht, warum du das zweite noch angenommen hast.

LaKelly Hunt: Wir gingen über fünf Jahre miteinander aus und stritten uns fast jeden Tag, bevor ich ihm einen Antrag machte.

Hendrix: Vielleicht hat es geklappt, da wir die Sache sofort zu unserer Haupt-Recherchefrage machten. Als wir uns 1977 kennenlernten, waren wir beide bereits geschieden, hatten zwei Kinder und fragten uns natürlich, warum Paare streiten und sich scheiden lassen.

. . . der Imago-Dialog entstand also zwischen Ihnen beiden?

Hendrix: Richtig, als wir uns wieder einmal stritten, rief Helen laut: "Stopp, eine Person spricht, die andere hört zu." Und genau das taten wir dann - mit dem Ergebnis, dass es uns viel besser ging. Also übernahm ich das Ganze für meine Therapiestunden. Dort erkannte ich jedoch rasch, dass das nicht genug war. Paare müssen sich nicht nur zuhören, sie müssen sich auch spiegeln und etwas zurück sagen. Mit diesen Elementen entstand 1988 unser erstes Buch. ("So viel Liebe wie Du brauchst" auf Deutsch, Anm.)

"Wir lernten alles von den Paaren, mit denen wir therapeutisch arbeiteten. Und wir waren selbst eines davon." - © Markus Ladstaetter
"Wir lernten alles von den Paaren, mit denen wir therapeutisch arbeiteten. Und wir waren selbst eines davon." - © Markus Ladstaetter

LaKelly Hunt: Wir lernten alles von den Paaren, mit denen wir arbeiteten. Und wir waren selbst eines davon.

Hendrix: An eine Stunde erinnere ich mich ganz besonders. Da war eine Frau, die zu ihrem Mann sagte: "Ich möchte, dass du sagst, dass es stimmt, was ich wahrnehme. Du musst mir nicht Recht geben oder dasselbe denken. Ich möchte nur, dass du sagst, dass ich für mich selbst Sinn mache, dass ich also nicht verrückt bin." So lernten wir das Prinzip der Wertschätzung kennen, das auch Teil des Dialogs ist. An diesem Tag saß ich neben dem Paar und dachte mir: "Dieses Paar behandelt sich selbst."