"Wiener Zeitung": Frau Kronberger, Sie waren die erste Österreicherin, die es auf das Titelbild des "Time Magazine" geschafft hat. Aufgrund Ihrer damaligen Dominanz im alpinen Skiweltcup titelte die Februar-Ausgabe 1992 mit "Petra The Great". Was war rückblickend für Sie persönlich Ihre größte Herausforderung oder mutigste Entscheidung?

Petra Kronberger: Mein Rücktritt vom Skirennsport.

. . . der für Außenstehende ja völlig überraschend kam. Wenige Monate zuvor wurden Sie in Albertville Doppel-Olympiasiegerin, sicherten sich am Ende der Saison zum dritten Mal in Folge den Gesamtweltcup und gaben dann mitten in der neuen Saison am 28. Dezember 1992 Ihren Rücktritt bekannt. Sie waren damals 23 Jahre alt. War das eine spontane Entscheidung?

Nein, dieser Gedanke hatte mich schon länger beschäftigt. Im Grunde habe ich mir nach der zweiten Goldmedaille gedacht, jetzt wäre der Moment gekommen aufzuhören. Es ging dann aber noch um den Gesamtweltcup - und das war Ansporn genug, weiterzufahren. Am Ende der Saison war ich richtig müde, wie nach den zwei vorangegangenen Saisonen auch schon. Es ist unbeschreiblich belastend, wenn du eine ganze Saison lang um den Gesamtweltcup fährst. Jedes Rennen sollte gut sein, dazu kam der Druck bei den Olympischen Spielen, das zehrt ungemein.

Beim Weltcupfinale in Crans-Montana war ich richtig leer, wollte dann eine längere Regenerationsphase haben, weil ich mir gedacht habe, aufhören ist vielleicht noch nicht so günstig, vielleicht bin ich ja wirklich nur total müde und dann geht’s wieder. Aber aus verschiedenen Gründen war die Regeneration dann zu kurz, ich musste zu Konditionskursen, Sponsorenterminen etc. Und schon hatte die Vorbereitungszeit auf die neue Saison begonnen, aber die Freude am Skifahren ist nicht mehr gekommen und das innere Ringen begann. Dann bin ich zu Saisonbeginn noch die ersten Rennen gefahren und habe mir leider eingestehen müssen: Es geht einfach nicht mehr.

Weil Sie körperlich und geistig völlig erschöpft waren?

Ja, es war auch schon ein bisschen ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass ich in der Vorbereitungszeit beim Abfahrtstraining in Amerika einen schweren Sturz hatte und genau wusste: Das war ein Konzentrationsfehler. Es ist Gott sei Dank nichts passiert, aber es hätte auch extrem schief ausgehen können. Mit den Jahren ist es mir generell mehr und mehr zur Belastung geworden, zu wissen, du übst eine Risikosportart aus. Wenn sich Kolleginnen und Kollegen verletzt haben, hinterlässt das schon einen Eindruck. Die Konsequenz war dann, wirklich den Schlussstrich zu ziehen.