Petra Kronberger mit ihren zwei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen von Albertville 1992. - © David Ake/afp
Petra Kronberger mit ihren zwei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen von Albertville 1992. - © David Ake/afp

War der Rücktritt eine einsame Entscheidung oder hatten Sie sich zuvor mit jemandem besprochen?

Die letzte Entscheidung war einsam. Besprochen habe ich mich vorher schon mit meinen Eltern, meinem damaligen Lebensgefährten, auch mit einigen Trainern, aber die Entscheidung selbst habe dann ich für mich treffen müssen.

Wie schafft man als Spitzensportler den Umstieg in ein normales Leben?

Es ist ein Riesenschritt und eine richtige Herausforderung, die Schwierigkeiten sind nicht kleiner geworden dadurch. Es braucht eine völlige Neuorientierung, es gibt nicht mehr die Spitzen der Glücksgefühle oder den tieftraurigen Moment. Du wirst auch nicht mehr sofort beurteilt oder siehst genau, wo du stehst, weil die Zeit mitläuft. Plötzlich ist man völlig auf sich alleine gestellt. Auch das ganze Umfeld fällt weg, die Skifamilie, der Tross zieht weiter und selber bleibt man stehen. Dann stellt sich die Frage: Was bleibt von dem, was man ein Leben lang gemacht hat, was sind meine nächsten Ziele? Wo kann ich mich einbringen, was sind meine Talente? Es gibt so viele Fragen, die man erarbeiten muss, und da ist man auf sich alleine gestellt.

Wird man als Spitzensportler in irgendeiner Weise auf die Zeit nach der Karriere vorbereitet?

Zu meiner Zeit nicht - und das ist nach wie vor, glaube ich persönlich, ein großes Thema. Um diesem Manko entgegenzuwirken, wurde 2010 der Verein "KADA - Sport mit Perspektive" gegründet. Roswitha Stadlober (vormals Roswitha Steiner, ehemalige Slalomspezialistin, Anm.) ist Geschäftsführerin, Alexandra Meissnitzer Präsidentin, ich bin seit der Gründung des Vereins im Vorstand. KADA ist eine Anlaufstelle, die Sportlerinnen und Sportlern während oder nach ihrer Karriere Perspektiven aufzeigt, wie es nach dem Sport beruflich weitergehen könnte.

Wie reagiert der Körper darauf, wenn plötzlich das intensive Training wegfällt?

Man muss den Körper langsam an diese Umstellung gewöhnen. Nach dem jahrelangen Auftrainieren kommt jetzt sozusagen das Abtrainieren. Was man allerdings nicht unterschätzen darf, ist die psychische Seite: Einerseits fällt der permanente Leistungsdruck weg, anderseits auch dieses Wechselspiel aus Anspannung, Adrenalinausstoß und Entspannung. Das ist ein richtiger Entzug, weil du das Gefühl hast, wenn das nicht ist, leistest du eigentlich nichts Besonderes.

Wie sind Sie damit umgegangen, nicht mehr im Rampenlicht zu stehen?

Das war für mich deshalb weniger ein Problem, weil ich den Rummel um meine Person kaum genießen konnte. Ich bin nicht der Typ dazu. Das hat mich in all den Jahren sehr viel Energie gekostet, weil ich mich nicht abgrenzen konnte. Es war eben meine Schwierigkeit, öfter einmal Nein zu sagen gegenüber den Medien und Fans. Ich habe versucht, für alle da zu sein, und auf Dauer ist diese Rechnung nicht aufgegangen.