Bockelmann: Wenn wir über den Begriff "Gott" reden: Für mich hat Liebe etwas Göttliches, dieses Gefühl, das wir eigentlich nicht halten können. Die Liebe ist etwas unglaublich Faszinierendes. Wenn wir jemanden lieben, versprechen wir uns die Ewigkeit - und sie kann übermorgen schon weg sein.

"Für mich sind die Bilder, die ich mache, eine Spur, die ich hinterlasse, nicht für andere, sondern für mich selber." Manfred Bockelmann - © Robert Wimmer
"Für mich sind die Bilder, die ich mache, eine Spur, die ich hinterlasse, nicht für andere, sondern für mich selber." Manfred Bockelmann - © Robert Wimmer

Kampits: Der Konflikt von Liebe und Tod ist ja eigentlich der entscheidende, denke ich. Aber ich glaube, jemanden lieben und diese Liebe zu einer Art von Beständigkeit für sich selber zu internalisieren, das ist entscheidend. Sagen zu können, und das finde ich wichtig: Ich habe geliebt, ich habe einen Menschen geliebt oder auch mehrere, ich habe deine Bilder geliebt, die Gedanken von Camus und Heidegger - aus! Mehr braucht es nicht.

Wie sehr sind heutzutage Ihrer Einschätzung nach die Meinung und das Wissen eines Philosophen oder eines Künstlers in der Öffentlichkeit gefragt?

Bockelmann: Dass wir Künstler die Welt in dem Sinne nicht verändern können, darüber bin ich mir völlig im Klaren. Hundertwasser war allerdings jemand, der diesen Anspruch hatte. Er wollte die Welt verändern, gerade auch in Hinblick auf das Umweltbewusstsein. Da war er ein absoluter Vorreiter. In den 1970er Jahren war noch keine Rede von einer Grünbewegung, Hundertwasser hingegen hat damals schon Zeichen in diese Richtung gesetzt. Ich hatte immer den Eindruck, er ist ganz gebeugt von der ganzen Last der Zukunft, die er sich aufbürdet. Es hat mich ungemein beeindruckt, dass er diese verantwortungsbewusste Haltung hatte. Hundertwasser ist mit 72 Jahren gestorben, diese Sorge um die Menschheit hat ihm ein Leben lang schwer zugesetzt. Sein Anspruch war, er als Künstler müsse die Welt verändern. Es hätte genügt, wenn er sagt - und das ist meine Einstellung -, ich kann die Welt nicht verändern, aber ich kann denjenigen, der mir gegenüber sitzt, oder die Leute, die in meinem Kreis sind, vielleicht ein bisschen verändern. Wenn jeder versuchen würde, einen kleinen Beitrag zu leisten, irgendwas zu tun, um die Welt einen Millimeter zu verbessern, würden wir fast in einem Paradies leben.

Wie sehen Sie die Stimme des Philosophen in der heutigen Gesellschaft?

Kampits: Zwiespältig. Philosophen sind gleichsam die Störenfriede und Kritiker der vorherrschenden Wirklichkeit. Inwieweit sie jedoch irgendwo Gehör finden und ernstgenommen werden, wissen wir nicht. Aber es kann ja durchaus sein, dass durch sie der eine oder andere bereit wird, das Gewebe aus Lügen, Unwahrheiten und Selbstbetrug, das uns gefangen hält, zu zerreißen. Philosophie und Kunst sind ja auch Erhellungen der eigenen Existenz.