Vielleicht ist das aber auch deshalb so, weil die Angst Folgen hatte. Die Supermächte haben ihre Arsenale reduziert, es gibt Verträge zu Nicht-Weiterverbreitung und die Nutzung der Atomkraft ist einem überstaatlichen Regime unterworfen, lückenhaft gewiss, aber immerhin. Warum sollte eine vergleichbare Antwort nicht auch beim Klimaschutz funktionieren?

Wie gesagt: Ich glaube nicht an das Ende der Menschheit, aber ich befürchte enorme Verwerfungen und Auseinandersetzungen. Mehr behaupte ich gar nicht. Zur selben Zeit wie Fourastié hat der US-Wissenschafter Alvin Weinberg über die Probleme der Großforschung geschrieben. In dieser Epoche waren der Fantasie hinsichtlich der Möglichkeiten der Technologie kaum Grenzen gesetzt. Viele dieser Hoffnungen wurden allerdings enttäuscht: Die stationäre Kernfusion als praktisch unerschöpfliche Form der Energiegewinnung ist nach mehr als 70 Jahren intensiver Forschung bis heute nicht gelungen. Aber woher auch immer die Energie stammt, man benötigt stets mehr Energie. Seit dem Beginn der Industrialisierung, die nur durch Ausbeutung fossiler Energiequellen möglich wurde, benötigen wir stets mehr Energie. Und ich bezweifle eben, dass sich das je ändern wird. Deshalb wird der Ausbau von erneuerbaren Energien nicht reichen und am Ende ein Revival der Kernkraft stehen. Das verdrängen wir aber.

Ökonomen sind allerdings davon überzeugt, dass der entscheidende Hebel im Kampf
gegen den Klimawandel eine CO2-Bepreisung ...

Da sind wir wieder bei der Durch-Kommodifizierung der ganzen Gesellschaft ...

Ja, aber das scheint mir trotzdem ein zwar umfassender, aber wirtschaftlich wie politisch machbarer Zugang zu sein, immerhin haben wir jetzt eine lange Erfahrung mit verordneten Preisaufschlägen auf Güter aller Art bei gleichzeitiger Beibehaltung der Regeln einer sozialen Marktwirtschaft.

Das stimmt. Jede Bepreisung von CO2-Emissionen wird zu entsprechendem Ausweichverhalten führen. Und am Ende wird man bei der - abgesehen vom Bau - absolut klimafreundlichen Kernkraft landen.

An neue Genieblitze der menschlichen Erfindungskraft glauben Sie nicht?

Doch, die kann es immer geben. Das Problem ist, dass unser liberal-kapitalistisches Gesellschaftssystem, das Francis Fukuyama als allen anderen überlegen bezeichnet, auf Gedeih und Verderb auf Wachstum angewiesen ist. Die Kapital-Akkumulation ist und bleibt die entscheidende Triebkraft. Und dieser Prozess ist notwendigerweise mit einer wachsenden Produktion und dem Verbrauch von Gütern aller Art und eben auch des Energieverbrauchs verbunden. Grundsätzlich allerdings, und hier liegt ein klitzekleiner Hoffnungsschimmer, ist das kapitalistische Akkumulationsgebot eines von jenen Werten, die nicht notwendigerweise materieller Natur sein müssen. Darin liegt eine Chance, eine kleine zwar, aber immerhin. Die vollkommene Entkoppelung von materiellem Wachstum und Wertproduktion ist bisher nicht gelungen, aber sie ist grundsätzlich vorstellbar.