"Ein Mensch ist für mich dann zu reich, wenn er mit Hilfe seines Vermögens die Möglichkeit hat, die Demokratie zu zerstören. Dafür benötigt man Macht - nicht nur Ersparnisse." - © Luiza Puiu
"Ein Mensch ist für mich dann zu reich, wenn er mit Hilfe seines Vermögens die Möglichkeit hat, die Demokratie zu zerstören. Dafür benötigt man Macht - nicht nur Ersparnisse." - © Luiza Puiu

Die reichsten Menschen der Welt leben zurückgezogen und zeigen sich nicht gerne; wir haben in der Regel gar keine Vorstellung von ihrem Leben.

Und wenn, sind es oft die falschen Bilder. Wenn es um Reiche geht, werden oft Jachten gezeigt, oder Privatflugzeuge. Oder noch bescheidener, Champagner, den es auch beim Discounter gibt. Bei Überreichtum geht es aber nicht um Luxus, sondern um die Möglichkeiten, die mit milliardenschweren Erbschaften, riesigem Immobilienbesitz und Unternehmen einhergehen. Einen Teil meines Buches habe ich in Mexiko
City geschrieben. Die großen Straßen waren dort von den Autos verstopft, sodass eine zweite Autobahn direkt darüber gebaut wurde, die nur von Wohlhabenderen genutzt wird, weil sie gebührenpflichtig ist. Aber erst die Helikopter der Vermögenden in der Luft oberhalb der Straßen geben eine vage Idee zu den Überreichen.

Der Begriff Überreichtum stammt ursprünglich vom Philosophen Platon.

Ja, Platon hat sich mit dem Charakter von Reichen beschäftigt. Da geht es um Überlegungen zur Tugendhaftigkeit der Reichen. Dahinter steckt die Idee, dass Vermögende nicht nur mehr Geld haben, sondern auch charakterlich hervorragend sein sollen. Das hat eine lange Tradition und reicht bis heute. Der Großindustrielle Andrew Carnegie, der zu den berühmten Räuberbaronen des 19. Jahrhunderts gezählt wurde, hat den berühmten Aufsatz "Das Evangelium des Reichtums" geschrieben. Er handelt davon, dass die Reichen eine besondere Verpflichtung haben, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Diese gönnerhafte Haltung gibt es besonders in den USA mit dem Modell des Philanthropie-Kapitalismus. Letztlich verbirgt sich darin die Überzeugung: Wir sind etwas Besseres. Das Gefühl der Überlegenheit - mag es auch auf der eigenen Großzügigkeit ruhen - ist aber abwertend und beschämend für die Armen. In meinem Buch geht es um extremen Reichtum, der die Demokratie zerstört und den sozialen Zusammenhalt schwächt.